The Satellite Year – Brooklyn I Am

The Satellite Year machen extrem melodiösen Alternative Rock. Etwas böswillig könnte man das auch als Pop-Punk der etwas härteren Sorte verkaufen. Allerdings mit viel Stil und breiter Brust und nicht so einen beknackten austauschbaren Happyhippo-Pop-Punk. In den besten Momenten klaut sich die Saarbrücker Kombo gekonnt die Sahnestücke bei Bands wie My Chemical Romance, Fall Out Boy, Hoobastank, Angels & Airwaves, Snow Patrol und z.B. We Are The Ocean zusammen. Heraus kommt dabei schöner „Alternativ-Pop-Punk mit Eiern“. Das Ding weiß also zu gefallen. Allerdings brauchte ich einen langen Atem, damit sich das alles auch wirklich entfalten konnte.

Der Türöffner

Meine Aufmerksamkeit hatte die Band vorab mit dem Song „Tarantino Part II“. Hätte ich einen anderen Song zuerst gehört, wäre das mit uns beiden vermutlich noch schwieriger geworden. Ich hatte aber schon länger keinen Song mit solch einem gelungenen Elektro + Gitarre Einstieg gehört, der zu Beginn auch noch einen recht ungezügelten Gesang zu bieten hat. Ich war angefixt. Gut, der Refrain ist arg weichgespült, aber sie hatten mich halt nach dieser ersten Minute im Sack. Und außerdem sind’s gute Lyrics:

You are proud of your own nation though the credit is not yours … you say you will fight for freedom, freedom means your point of view

Doch einfach haben es The Satellite Year mir danach nicht gemacht. In kaum einem anderen Song trifft man auf diese ungezügelten Gesangseinlagen. Zumeist ist man darum bemüht, dass es „schön“ klingt. Zwar mehrstimmig und variantenreich, aber eben immer auch „schön“. Manchmal auch zu schön und zu eingängig. Doch nach mehrmaligem Durchhören zahlt sich die Hartnäckigkeit aus. Denn es gibt echte Perlen: Das dynamische „No Clubs For This Town“, das nachdenkliche aber gleichzeitig erfrischende „In Vitro“ oder das noch am ehesten ungezügelte „A Satire Of What’s Wrong With The American Life“.

Solide Kost wohin man blickt

Dann gibt es noch die Songs, die man super gut hören kann. Vielleicht eher nebenbei, aber immerhin. „That This Was Wrong“, „Early in December“ und der Titeltrack „Brooklyn, I Am“ sind zum Start ins Album allesamt gerade so gut, dass man nicht skippen will. Jeder Song hat dann doch irgendwo kleine Ecken und Kanten versteckt, die das Abrutschen in die Langeweile verhindern und die Songs zu mehr als Durchschnittskost werden lassen – wenn auch erst nach einigen Anläufen.

Und so geht es mir jetzt eigentlich fast die ganze Zeit. Die Songs sind so gekonnt und raffiniert arrangiert, dass sie immer gerade dann noch interessant werden, bevor ich ihrer überdrüssig werde. Andauernd wird musikalisch oder gesangstechnisch noch ein Kniff eingebaut, der die Songs doch noch besonders klingen lässt. Das ist beim melancholischen „Hurricane / Welcome Home“ genauso wie beim wilden „Fireworks“ – Allerdings hätte man sich gerade bei letzterem auf das Wesentliche beschränken sollen. So ein bißchen klingt das, als hätte man sich nicht einigen können, ob dieser Song nun tatsächlich wild oder doch eher verspielt daherkommen soll. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Wenn zu viel doch zu viel wird.

Doch nicht in allen Songs bekommen die Jungs noch rechtzeitig die Kurve. „This is a call“ ist so ein verdammtes Geleier, dass ich beim Einsetzen des an sich wirklich guten Refrains immer schon stark abgenervt bin. Zu guter letzt kommen dann auch noch „Universe“ und „Not A Relief, Not A Resort“ mit breiter Brust um die Ecke. Auch diese Songs sind groß, breit und selbstbewusst. Aber so richtig begeistert bin ich gegen Ende des Albums nicht mehr. Tatsächlich war mir zum Ende hin doch einiges zu sehr überladen und ich bin ziemlich erschöpft. Doch was letztlich von diesem Album bleibt, sind zwei, drei wirklich großartige Songs. Und das zählt.

Highlights:
Tarantino Part II
No Clubs For This Town
In Vitro

Lowlights:
Universe
This Is A Call

Fazit:
Eine geballte, aber etwas zu überfrachtete Ladung Alternative Rock

Christopher sagt: 7p  (7 / 10 Punkte)

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Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

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