Talco – Silent Town (Review)

Talco sind zurück. Nach dem letzten Longplayer „Gran Galá“ aus dem Jahre 2011 und der Jubiläumsveröffentlichung „10 Years – Live in Iruna“ steht nun Silent Town in den Läden. Und ich bin entzückt. Der inzwischen sechste Longplayer kommt als Konzeptalbum über ein tristes und durch Korruption, Populismus, Gewalt und Rassismus hoffnungslos heruntergewirtschaftetes Städtchen daher. Dabei wird unverhohlen gegen die Machenschaften italienischer Politiker und bis zum Tode führender italienischer Polizeigewalt Stellung bezogen. Wie immer positionieren sich Talco klar im linken Spektrum und verpacken harte Botschaften und unangenehme Wahrheiten in ein Soundgewand allererster Skapunk-Güte!

Mit Punk-Chanka auf den Ska-Thron

Der Punk-Chanka von Talco, der Clash aus World-Punk und Combat Ska, funktioniert seit Jahren und wird von dem Sextett aus Marghera stetig weiterentwickelt. Der Einstieg in „Silent Town“ fetzt einen regelrecht weg. „Il tempo“ ist schnell und druckvoll. Hier werden keine Gefangenen gemacht und es wird in der ersten Sekunde bereits klar, wohin die Reise geht. Power-Ska par excellence.

„Neverdad“ und vor allem das grandiose „Nel Varieta“ schießen in die gleiche Kerbe. So liebe ich Talco – ausgelassen, voller Spielfreude, mit enthusiastischen Bläsern – ein echtes Träumchen, bei den eingägigen Hooks und Refrains kann man gar nicht anders, als ’ne Vollgas-Party machen 😀 Dass die durchweg italienischen Texte dabei auch noch einen ernsten statt wie sonst oft allzu banalen Hintergrund haben: Umso besser!

Das instrumentale „Rotolando“ breitet den Teppich aus für den schwermütig daherkommenden Titeltrack „Silent Town“. Einzig die klagende Ballade „Ovunque“ ist da noch melancholischer. Ansonsten dominiert der temporeiche und zumeist mit voller Härte pumpende melodische Ska. Bis auf wenige Ausnahmen, sind da fast ausnahmslos ganz große Bretter in den 34 Minuten dieses Album versammelt. Von „Via da Qui“ über „Dalla pallida Miro“, „Nella Strada“ bis hin zum Rausschmeißer „Malandia“ hat das Album bis zum Ende große Hits zu bieten.

Mir ist es auch völlig wumpe, dass die ganzen schnellen Punkrhythmen mit den Shouts und lalala-Refrains, trotz absolut vorhandener Abwechslung, wohl keinen ganz großen Innovationspreis mehr gewinnen werden. Aber:  Die Mucke ist geil, die Mucke muss lauter! Ende.

Highlights:
Il tempo
Nel Varieta
Nella Strada
Neverdad
Via da Qui
Dalla pallida Miro

Lowlights:
Rotolando
Intermondo

Fazit: Talco servieren uns auf „Silent Town“ einen grandiosen Ska-Song nach dem anderen!

Christopher sagt:  9p (9 / 10 Punkte)

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Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

1 Response

  1. 20. Januar 2016

    […] dem aktuellen Album „Silent Town“ vertreten, das Ende letzten Jahres erschienen ist (Review zu Silent Town). Er stellteine Kritik an der jungen Generation von Musikliebhabern dar, die außer an modischen […]

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