Review: Zebrahead – Call Your Friends

Über Zebrahead zu schreiben ist ja jedes Mal wieder so eine Sache. „Da bin ich zu alt für“, „So einen pubertären Quatsch habe ich hinter mir gelassen“ oder „Die singen nur über Titten und Bier, das ist mir zu billig“ liest und hört man immer wieder, wenn man sich einige Jahre (pop)punkrockhörend durch die Musikwelt hat treiben lassen. Und immer, wenn ich sowas höre, denke ich mir: „Ach du liebe Zeit, bestell dir doch mal wieder ein leckeres Bierchen, lehn‘ dich zurück und nimm das Leben ein wenig leichter.“ Mit Zebrahead ist das halt wie mit einem Hollywoodblockbuster: Alles überladen, alles nicht sonderlich tiefgründig. Aber dann doch halt irgendwie ziemlich cool. Nicht immer. Aber hin und wieder schon.

Mit Sirens haben die Zebras dem Album allerdings einen Opener spendiert, der nicht so richtig zünden mag. Gleich der zweite Song I’m Just Here For The Free Beer (Ja, der Titel ist nur für euch!) findet aber genau die Spur, die man braucht. Ordentlich Zug drin, feine Wechsel zwischen Rap und Gesang und alles schön eingängig. Genau so wie es sich gehört (oder eben nicht, ne?). Mit With Friends Like These Who Needs Herpes? kommt an dritter Stelle ein agressiverer Song. Fast durchgängig rappt der liebe Ali sich hier in Rage. Dazu wieder ein Easy-Listening-Refrain von Matty, der direkt ins Ohr geht. Großartiger Zebrahead Song. Echt jetzt! Anhören und lieben! Der Vorabsong Call Your Friends ist zugegebenermaßen wieder nur mehr oder weniger durchschnittliche Kost. Kommt ein bißchen zu handzahm daher. Immerhin gab’s heiße Mädels im Video (Bäh, wie armselig!).

Murder On The Airwaves geht wieder ein bißchen besser ins Ohr. Was auch in diesem Song auffällt: Instrumentale Parts werden ausladender eingesetzt als früher. Die Fraktion an Gittare, Bass und Schlagzeug bekommt auf dem gesamten Album mehr Raum und darf zeigen, dass man durchaus mehr kann, als nur ein bißchen Schrabbeln. „Schuld“ daran ist sicher auch der Einstieg des zusätzlichen Gitarissten, Dan Palmer, der seine Klampfe anständig beackert. Ist aber alles noch im Rahmen. Die Songs werden dadurch nicht unnötig aufgebläht, dafür abwechslungsreicher. Public Enemy Number One macht dann wieder alles richtig. Ähnlich wie bei With Friends Like Thes Who Needs Herpes? wird auch hier wieder ordentlich Agressivität rausgehauen. Der Refrain ist vielleicht einen Tick zu glattgebügelt. Trotzdem ein ziemlich geiler Song. Musikalisch lassen Sum41 hier grüßen. Die habens ja auch hin und wieder mit ein bißchen Metal-Einschlag probiert.

Born To Lose wartet dann zwar mit ordentlich Hektik auf, bleibt dabei aber etwas beliebig. Hier fehlt das Besondere. Dass sie auch solche Songs besser ins Ziel bringen können, beweist die Band gleich mit dem nächsten Song: Stick Em Up Kid bläst ins selbe Horn, weiß dabei aber um einiges mehr mitzureißen. Die durchstampfende Melodie gibt dem Song die Würze. Bißchen „whoa whoahoaa“ dazu und schon passt das („Oh Gott, jetzt sind auch noch whoa-whoa-whoa-Rufe dabei – die sind ja sowas von Neunziger!„). Automatic ist wieder mehr so ein „na gut, packen wir noch mit drauf“-Song, der niemandem weh tut, aber sich auch nicht sonderlich einprägt. Nerd Amor hingegen ist für mich aktuell ein Tiefpunkt des Albums. Instrumente und Melodie sind eher nervig als nerdig.

Panic In The Streets ist dann wieder Mühlen auf die Argumente der Spießer, äh Hater, äh … der Anderen („Party til we bleed“), macht aber trotzdem gute Laune. Don’t Believe The Hype läutet so langsam die Zielgerade des Albums ein. Ausgestattet mit einem „Hey-Ho-Hey-Ho“-Part, den Naughty By Nature kaum besser hinbekommen haben ( NbN und ZH in einem Review, ich werd‘ bekloppt! 😉 ), haben wir hier wohl einen neuen Live-Kracher vor der Brust. Geschwindigkeit, diverse „Come On“, „Let’s Go“ und „Whoahoo“-Rufe sind mehr als nur dezente Hinweise auf das, was dieser Song im Moshpit anrichten soll. The Sun Comes Up ist das Party-Anthem für die Strandparty („Don’t wait up for us, ‚cause we ain’t coming home ‚til the sun comes up“ … „have the time of our lives, never take it slow, so tonight gonna live, gonna let it go“). Last Call beendet das Album dann standesgemäß. Heavy Tunes, Alkohol, hektische & scharfzüngig vorgetragene Raps, intensiver Refrain. Rausschmeißer halt. Und was für einer!

Highlights:
I’m Just Here For The Beer
With Friends Like These Who Needs Herpes?
Public Enemy Number One
Stick Em Up Kid

Lowlights:
Nerd Amor
Born To Lose
Automatic

Fazit:
Es ist längst nicht alles toll bei Zebrahead anno 2013. Der absolute Oberkracher scheint (trotz vieler geiler Songs) zu fehlen, die Langzeit-Playlisttauglichkeit muss sich noch zeigen und ein Playmate Of The Year ist auch dieses Mal sicher nicht dabei. Aber: Es macht wieder mächtig viel Spaß! Nur für den „Muschi“-Spruch auf den Konzerten, für den bin ich dann inzwischen wirklich zu alt.

Christopher sagt:
8p(8 von 10 Punkte)
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Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

2 Responses

  1. mieder sagt:

    Die Platte ist echt hammer!! Party pur und so!
    Worauf ich mich besonders freu: die Vinyledition, blau und auf 500 limitiert! Besser gehts kaum! http://tinyurl.com/mwuls5u

  1. 9. September 2013

    […] Review: Zebrahead – Call Your Friends […]

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