Review: Wizo – Punk gibt’s nicht umsonst (Teil III)

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Ein neues Album von Wizo! Da haben wohl die Wenigsten noch mit gerechnet. 21 Songs verteilt auf 65 Minuten Spielzeit gibt es auf Punk gibt’s nicht umsonst! (Teil III) zu bewundern. Wizo? Die haben doch vor 20 Jahren mit Uuaarrgh! eines der besten deutschen Punkalben abgeliefert. Nach so langer Zeit stellt sich natürlich unweigerlich die Frage, ob sie dieses Klassikerniveau annähernd wieder erreichen können. Zeit für ein Pro und Contra.

Pro

Gleich der Opener Seegurke liefert diesen ureigenen Humor, der Wizo damals deutschlandweit bekannt gemacht hat. Da konnte ich mir ein Schmunzeln bei den ersten Hördurchgängen wegen der originellen Umsetzung einfach nicht verkneifen. Die Sindelfinger liefern immer noch fette Refrains mit Ohrwurmgarantie kombiniert mit intelligenten und kritischen Texten. Ernste Themen werden weiterhin oft in Form von Sarkasmus verarbeitet.

Generell ist die Palette der besungenen Themen abwechslungsreich gestaltet. Der rechte Rand unserer Gesellschaft bekommt dabei wie gewohnt sein Fett weg. Einmal kompromisslos wie bei Ganz klar gegen Nazis und einmal sehr lustig beim Highlight des Albums Unpoliddisch. Dazu gesellen sich ruhige und nachdenkliche Lieder wie das großartige Meine Wut und Wenn ich mal sterb‘.

Sechs bis sieben gelungene Songs sprechen erst einmal für sich. Sie können es also noch. Leider hat das Album nicht nur zehn, sondern 21 Lieder…

Contra

Zu Beginn ist die Vorfreude riesig die quäkende Stimme von Frontmann Axel Kurth endlich wieder zu hören. Schnell wird allerdings klar, dass sich die Band musikalisch und bei den Themen kein bisschen von der Stelle gerührt hat. Der schwarze Humor wie bei Kohlenholen oder sozialkritische Stücke wie Dummmensch wirken dadurch inzwischen etwas gezwungen. Kriminell und asozial versucht gar nicht mehr zu leugnen ihren Hit Gemein von 1994 kopieren zu wollen. Unpoliddisch holt dann zum Teil arg überzogen die Klischee-Keule raus.

Das größte Problem der Platte besteht allerdings darin, dass die guten Lieder oft alleine da stehen. Dazwischen gibt es eine ganze Menge durchwachsener Stücke wie Zombiemann oder Schlechte Zeit als Lückenfüller. Wo auf den alten Alben zu mindestens zwei Drittel der Songs als solide bis gelungen durchgehen konnten ist es hier nur noch knapp ein Drittel. Als Zuhörer bekommt man nie das Gefühl einem Gesamtwerk beizuwohnen. Es wirkt eher als wurde hier alles Brauchbare der letzten zehn Jahre auf eine Scheibe gepresst.

Ein Typisches Wizo-Werk. Ein nostalgischer Ableger aus besseren Bandzeiten. Von songtextlichen Totalausfällen bis zum unnachahmlichen Wizo-Humor ist alles dabei. Insgesamt wirkt die Qualität von Punk gibt’s nicht umsonst! (Teil III) aber nicht mehr so frisch wie bei Uuaarrgh! vor 20 Jahren.

Highlights:
Ganz klar gegen Nazis
Unpoliddisch

Lowlights (richtig low ist hier eigentlich nix):
Zombiemann
Schlechte Zeit

Fazit:
Sieben gelungene Stücke reichen noch für sieben Punkte. Den Rest kann man getrost vergessen.

Michael sagt: 7p  (7 / 10 Punkte)

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Service (Youtube):
Das komplette Album

Dieser Beitrag wurde von meinem Kumpel Michael verfasst . Das Review erschien im Original bereits vor einigen Tagen auf seinem eigenen Blog. Ausgewählte Beiträge übernehmen wir für dasmusslauter.

Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

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