Review: Tim Vantol – If We Go Down, We Will Go Together

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Singer-Songwriter sprießen seit Jahren wie Pilze aus dem Boden. Oder wie Unkraut. Mit unheimlich vielen kann ich nämlich nicht sonderlich viel anfangen. Zu schmalzig, zu leise, zu lahmarschig, total überschätzt und meist nur nervig mit ihrem inhaltsleeren, sentimentalen Gedudel. Dabei geht es auch ganz anders. Bißchen Druck auf die Klampfe, bißchen Leben in der Stimme und einen Schuss Punkattitüde. Schon hat man tolle Künstler wie Frank Turner und Dave Hause. Oder Chuck Ragan. Oder Tim Vantol. Der hat schon allein dadurch einen Stein im Brett, dass ich ihn zusammen mit Perdition letztes Jahr im Bremer Schlachthof bei einem tollen kleinen Konzert gesehen habe.

Stilistisch bewegt sich Tim gekonnt zwischen schmissigem Country und Folkpunk und weiß mit gefälligen Mid- bis Uptemposongs zu überzeugen. Mit dem Titeltrack beginnt ein angenehm zuversichtlicher Einstieg ins Album. Ganz nach dem Motto, dass alles schon irgendwie hinhauen wird. Scheitert man doch, dann zumindest gemeinsam. Dinge möglichst gemeinsam anzupacken und zu bestehen ist der rote Faden, der sich durch dieses Album zieht. Wie im Opener oder im Song Dirty Boots, einer Hymne aufs „Anpacken und Machen“. Damit erreicht halt mehr als als mit lethargischem an die Decke glotzen und rumhocken. Hands Full Of Dust, einer der stärksten Songs des Albums, soll darin bestärken, seinen Überzeugungen zu folgen, an sie zu glauben und für diese einzustehen, statt auf Beistand „von oben“ zu hoffen. Sich nicht verbiegen lassen, lautet die Devise. Und die kommt auch noch schön punkig und rauh rüber. Super!

Apologies, I Have Some – Voller Inbrunst wirft sich Tim in diesen (Beziehungs-)Song. „It doesn’t take much of an effort, to fuck it up once more. But it’s a hell of a job, to apologize for“ heißt es hier in sehr eindringlicher und intensiver Manier. Aber trotzdem hört sich der Song noch irgendwie fluffig an. Das wirklich schöne an diesem Album ist nämlich, dass auch ernsthafte und traurige Themen nicht sonderlich heulsusig rübergebracht werden. Das gilt für die bereits genannten Songs und sogar für die schmerzhafte Trennungsballade Bitter Morning Taste.

Bevor man zu sehr in Bitterkeit versinkt, kommt der nächste „Lass-dich-nicht-unterkriegen“-Song. If we would know ist textlich sehr gelungen, aber dann doch eher so ein Verschnaufpausensong, der kaum im Gedächtnis bleibt, weil einfach auch das Besondere bei der musikalischen Untermalung fehlt. I Could Have Been A Dancer gibt dann kurz vor Schluss noch mal Gas und macht die Freude und Genugtuung greifbar, die der sympathische Niederländer in seinem aktuellen Lebensabschnitt empfindet. Er tut, was ihm gefällt und ihm ist bewusst, dass es auch alles hätte schlimmer für ihn kommen können. Der Rausschmeißer ist die A-Capella Nummer Before It All Ends. Hier gibt es Tim Vantol pur.

Highlights:
Dirty Boots
Hands Full Of Dust
I Could Have Been A Dancer

Lowlights:
If We Would Know
Before It All Ends

Fazit:
Um es im Geiste dieses Albums zu sagen: „Gott sei dank hat er es versucht: Es hat sich gelohnt!“

Christopher sagt: 7p (7 / 10 Punkte)

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Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

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