Review: The Vaccines – What Did You Expect From The Vaccines?

Irgendwo las ich vor ein paar Wochen, dass die englische Musikpresse Ende 2010 The Vaccines als das ganz große Ding für 2011 hochgejubelt habe. Und kurz darauf las ich, dass die Band dieses Jahr das Hurricane bespielte und ich sie dort (natürlich) verpasst habe. Machte nix, ich kannte sie ja nicht. Das hat sich inzwischen (natürlich) geändert und jetzt könnte ich mir (natürlich) mal wieder ganz gepflegt in den Popo beißen. Denn so wie es sich inzwischen darstellt, darf ich erneut einen Eintrag auf meiner „Bandauftritt auf’m Festival verpasst“-Liste hinzufügen.

Allerdings: Ich habe absolut keine Ahnung, was genau mich an diesem Album so fasziniert. Das fetzt nicht, ist weder richtig rockig noch sonderlich punkig. Jedenfalls nicht für mich. Im Großen und Ganzen ist das alles so sing-a-long-ding-dong-musik mit einem auch schon mal gelangweilt klingenden snooziedoozie-Gesang da drüber. Typische englische Indiemusik also, mit der ich normalerweise nicht sonderlich viel anfangen kann. Aber dieser 82-Sekunden-Opener Wreckin‘ Bar hat mich direkt eingefangen. Toller Song. Und wenn ein Album so beginnt, dann bleibe ich auch dran. Haben Sie sich verdient. Weiter geht’s mit der „Ode an die Ex“, die doch bitte bitte wieder zurückkommen möge (If You Wanna). Hoppla, noch ein toller Song. Macht jetzt also schon mal zwei auf der Haben-Seite. Ich bleibe also (natürlich) weiter dabei.
Von den folgenden Songs kann man sich dann wunderbar einlullen lassen. Funktioniert prächtig und bei der „Put the wetsuit on“-Aufforderung erwische ich mich glatt dabei, wie ich die Augen schließe und mich bei Sonnenuntergang am Strand sitzen sehe. Damit ich aber nicht komplett wegdöse, wird mit Nørgaard eine herrlich spaßige, schnelle Nummer über ein dänisches Teeniemodel zwischengeschoben. Well done! Ich bin wieder voll dabei. Und gleich im Anschluss gibt’s mit Post Break-Up Sex eine weitere ziemlich starke Nummer zu hören, die ebenfalls direkt in’s Ohr geht.
Aber es geht auch anders. Irgendwann musste es ja auch vorbei sein, mit den ganzen guten Nummern. Mit Under Your Thumb haben sie dann nämlich auch mal einen Song am Start, der mit seinen gefühlten 37 „Eleanor“-Gesängen gehörig nervt. All In White macht es mit seinen langgezogenen Aaaaaaaaahs zwar auch nicht sehr viel besser, ist aber zumindest hörbarer, wenn es auch ein wenig uninspiriert daher kommt. Bei Wolf Pack kommen die Vaccines dann noch mal in Fahrt und ich erwische mich auch wieder beim mitwippen. Schön, schön, sie haben die Kurve also noch mal gekriegt. Mit Family Friend und Somebody Else’s Child wird das Album dann so ruhig und friedlich beendet, dass man sich mit dem Bewusstsein, gerade eine tolle halbe Stunde Musik erlebt zu haben, beruhigt im Lieblingssessel einkuscheln kann.

Highlights:
– Gute Indie-Musik
– Wreckin‘ Bar
– Nørgaard

Lowlights:
– Teilweise etwas zu dick aufgetragen
– Under Your Thumb

Fazit:
What did you expect … „durchschnittlich langweilige Musik“ hatte ich erwartet. Aber nix da. Ein wirklich tolles Album, mit dem man einen schönen Nachmittag verbringen kann. Mehr kann man ja von Indie-Musik eh kaum erwarten.

Service: Ausgewählte Tracks des Albums zum Probehören

Christopher sagt:
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Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

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