Review: The Prosecution – At The Edge Of The End

Ska Ska Ska! In bester Mighty Mighty Bosstones Tradition. Dicky Barrett steuert beim Song Learning Life sogar einen Gesangspart bei. Da wisst ihr jetzt also, was euch erwartet. Ein in der Tat großartiges Ska Punk Album. Da geht mir das Herz auf! Endlich macht mal wieder jemand Ska. Los geht es mit Sofa Spuds. Einer Abrechnung mit dem Topmodel(Show)wahnsinn und der vorgelebten Size-Zero-Mentalität. Da sitzt der fette Zuschauer schon mal zu Hause auf seinem Sofa und sagt sich „May the breast girl win“ (da musste ich schon schmunzeln 😀 ). Der Track ist zwar nicht sonderlich originell, aber die Instrumente sitzen, der 90-60-90-Refrain ist ein geradezu hammermäßiger Ohrwurm. Für die nächste Party ist der Song gesetzt. Auch, oder gerade weil er sich nicht mit sonderlich verschrobenen oder abgehobenen Soundkonstruktionen abgibt. Er passt halt. Ohne Pause geht es weiter zu Learning Life. Mit ordentlich Tempo und Drive stürzen wir uns in diese Skanummer. Der Song handelt davon, zu all den getroffenen Entscheidungen zu stehen, egal ob sie richtig waren oder ob man Mist gebaut hat. Quasi „Arsch in der Hose haben“ und mit den Konsequenzen des eigenen Handelns leben. Joa passt. Guter Song. Das war schon mal ein gelungener Einstieg in die Welt des Ska. Ich bin seelig und der Band jetzt schon wohlgesonnen.

Und dann: Ein Brett. Eine Bombe. Ein Ska-Gewitter wie ich es schon lange nicht mehr gehört habe. Falling ist die pure Verzweiflung, die Trauer, die Frustration anzumerken. Die Liebe hat man verkackt und das ist nunmal wirklich Mist. Jetzt heißt es ordentlich rumschreien und auf die Instrumente einknüppeln, als gäbe es kein Morgen mehr. Die Gefühle fahren Achterbahn, man ist am Boden, aufgewühlt, agressiv. Und genau in diese Gefühlswelt schlägt dieser Skacore Song ein. Accept or forget … Eins mit Sternchen. Ironic Phases gibt’s seit einigen Wochen mit Video auf Youtube (und gabs hier schon bei uns). Schmissiger Song. Hätte allerdings nicht gedacht, dass er nach vier gehörten Songs auf Platz 4 rangiert. Denn der gefiel mir auch schon auf Anhieb. So kann’s gehen.

Bei Brainwashed Society rücken die Bläser wieder mehr in der Vordergrund. Dieser Anti-Kapitalismus-Song hört sich für mich allerdings nach Füllmaterial an. Bißchen „hey hey hey“ in die Crowd gebrüllt, noch ein „stand up, fight back“ hinterher geschickt. Naja, nicht schlecht, fällt gegenüber dem fantastischen Start aber etwas ab. King Of The Pub lässt das reine Ska-Herz höher schlagen. Ein bißchen chaotischer und mit schön hohem Tempo, der Song gefällt wieder. Schöne Message hat er auch noch. Sich gemütlich ins Delirium zu trinken, dürfte dem einen oder anderen ja nicht unbekannt sein. Und die selbstgerechten sexistischen homophoben Arschgeigen am anderen Ende des Tresens, die sich anschicken, die gute Laune zu zerstören, haben wir ja sicher auch alle kennengelernt („dick-driven-wannabe-men„).

Still Friends nimmt das Tempo raus, Zeit für’s Ausruhen auf der Liege. Bißchen nachdenken und in ein neues Leben aufbrechen. So wollen es zumindest die Lyrics dieses chilligen Songs. Die „Ode ans Badezimmer“ :D, Restroom Of My Life, legt dann wieder einen höheren Gang ein und entwickelt sich im Laufe der drei Minuten von allerlei Blas-Variationen zu einem veritablen Skacore Vertreter. Durchaus gelungen. 1989 rührt noch einen Schuss Agressivität unter, macht ansonsten aber genau da weiter, wo der Badezimmer-Song aufgehört hat. Auch eher wieder einer der härteren Songs auf diesem Album. Die Intro Melodie von Voices kommt mir extrem bekannt vor. Ein Billy Talent Song? Man weiß es nicht. Wenn’s dann los ist, fühlt man sich zu Anti-Flag gebeamt. Die Strophen würden eins zu eins passen. Der mehrstimmige, etwas tragendere Refrain nimmt dem Song allerdings einiges an Wucht. Die fast schon metal-lesken instrumentalen Stellen haben mich dann allerdings etwas irritiert. Überhaupt stellt dieser Song ein ganzes Sammelsurium an Stilrichtungen dar. Too much for me. Auch I Swear spart nicht mit Kritik. Und auch dieser Song kann mit der Qualität der restlichen Songs mithalten. At The Edge Of The End beendet das Album dann standesgemäß. Zurück bleiben 42 Minuten Ska(Core)Punk, die dich auffordern, den Arsch hochzubekommen, dein eigenes Leben zu leben und dich aus der Masse der Schafe zu erheben. Vertrete deine Meinung und verschaffe dir Gehör. Mit diesem Soundtrack doch gerne!

Highlights:
Falling
Sofa Spuds

Lowlights:
Zweite Hälfte des Albums nicht mehr ganz so stark (aber ohne Ausfälle)

Fazit:
Klasse Ska Platte mit furioser erster Viertelstunde.

Christopher sagt:
8p(8 von 10 Punkte)
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Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

3 Responses

  1. 30. November 2013

    […] Prosecution machen wunderbaren Skacore. Und starten im Dezember mal wieder eine […]

  2. 11. März 2014

    […] den einen oder anderen Beitrag zur Regensburger Skapunk Band THE PROSECUTION gestolpert. Das Album At The Edge Of The World hat mir richtig Spaß gemacht und auch über die Videos und Tourdaten haben wir hier schon […]

  3. 1. März 2015

    […] ihrem dritten Longplayer versuchen The Prosecution an den Erfolg des letzten Albums “The Edge Of The End” anzuknüpfen. Und um’s kurz machen: “Words with destiny” ist ein echter Kracher. […]

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