Review: Red City Radio – Titles

Dieses Review ist eine Herzensangelegenheit. Holt euch ein Bier. Es könnte etwas länger dauern …

Ich gebe es vorweg zu. Es ist mir kaum möglich ein sachliches Review über Red City Radio zu schreiben. Denn ich liebe diese Band! Ich liebe ausnahmslos einfach alles an ihnen. Die EP To the sons and daughters of Woody Guthrie war klasse. Das Full-lenght-Debüt The dangers of standing still ist für mich seit zweieinhalb Jahren das beste Album auf diesem Planeten. Mein bislang leider einziger Livekontakt mit der Band als Vorgruppe von Anti-Flag jagt mir bis heute einen wohligen Schauer über den Rücken. Ich stehe komplett auf die Stimme von Garrett Dale. Ich wünschte er wäre der Tagesschausprecher der ARD. Die vier Herren sind mir so sympathisch wie wahrscheinlich keine andere Band vor ihnen. Wahrlich keine gute Grundlage um objektiv zu sein.

Doch trotz aller Liebe ist mir auch bewusst, dass wir uns eigentlich kaum kennen. Die Basis meiner Zuneigung beruht im Prinzip auf ungefähr zwanzig veröffentlichten Songs. Auf einige Interview- und Konzertschnipsel aus dem Netz und einem halbstündigen Liveauftritt. Die Band ist so unbekannt, dass nur wenig an die Öffentlichkeit gelangt. Was ist also wenn sich Red City Radio auf einmal verändern würden. Was passiert mit uns wenn mir das neue Album Titles nicht gefallen sollte?

Ich habe mich noch nie so auf ein Album gefreut. Ich habe mich aber auch noch nie vor einem Album so gefürchtet. Nun habe ich es gehört. Unzählige Male. Auf diese folgenden Zeilen habe ich eine gefühlte Ewigkeit gewartet:

Ich liebe Red City Radio weiterhin. Was für eine verdammte Erleichterung! Ja, Titles ist großartig geworden. Es ist nicht das Meisterwerk, welches ich mir in meinen wildesten Träumen ausgemalt habe. Aber nüchtern betrachtet, konnte es das auch nie werden. Nein wir haben es hier nicht mit einem Dangers of standing still-Klon zu tun (auch wenn ich gut damit hätte leben können).

Denn Red City Radio sind in einer Phase der Weiterentwicklung. Das hört man bei jedem Song von Titles. Die Songs sind persönlicher, inhaltlich aufgeräumter, facettenreicher,  ja insgesamt einfach runder als die des Vorgängers. Das gefällt mir persönlich nicht immer, denn ich mag ja besonders die Ecken und Kanten der Band. Aber da nehmen die Jungs zu Recht keine Rücksicht drauf. Red City Radio geben sich auf Titles wesentlich experimentierfreudiger als auf den vorherigen Alben. Weniger Randale, mehr Ideen. So einfach kann man das wohl benennen. Und Ecken und Kanten gibt es trotzdem noch genug. Das bringen diese vier Irren mit ihrem Hang zum Nicht-Perfektionismus einfach mit sich.

Joy comes with the morning ist für mich der beste Song des Albums und ein Parade-Beispiel der Weiterentwicklung. Für Red City Radio-Verhältnisse muss man hier ja fast von einer Ballade sprechen. Nein es ist keine. Balladen gibt es bei Red City Radio nicht (leider eigentlich). Der Song ist aber einfach anders als alles was ich von den Herren bisher gehört habe. Meine anfängliche Skepsis ist nach einigen Durchläufen absoluter Begeisterung gewichen. Ich finde den Song einfach total genial. Rockt und berührt zu hundert Prozent! Eine Aussage die an vielen Stellen auf Titles zutrifft. Oder wie ich es hausintern vereinfacht sage: „Titles ist durch und durch Harter-Nippel-Rock!“

Red City Radio haben eigentlich nur eine Schwachstelle, die aber auch ihre größte Stärke ist. Garrett Dale! Mit ihm steht und fällt Red City Radio. Die zwei schwächeren Songs des Albums, nämlich A version of events und Purple heart paperweight, sind nicht umsonst die, in denen Dale nicht oder kaum auftaucht. Dales Stimme ist das Aushängeschild der Band. Steht man auf die Stimme, steht man auf Red City Radio. Kann man die Stimme nicht ertragen, muss man einen großen Bogen um die Band machen. Ohne Dale klingen Red City Radio einfach wie eine gute Punk-Rock-Band. Erst mit Dale werden sie zum fucking juggernaut!

Glücklicherweise ist Dale sonst fast immer an vorderster Front dabei. Der Opener Two notes shy of an octave, Show me on the doll where the music touched you, I´ll take a mile oder auch der grandiose Rausschmeisser The silence between sind alles Überhits á la Dangers of standing still. Grandiose Melodien, rubbelige Sing-a-longs, ein Arsch voll Energie und fertig ist die Urgewalt, die mir die Locken aus dem Brusthaar bügelt.

Joke with no words, Don´t be a hero,find a friend und We know who we are bilden die “Einfach nur gut”-Abteilung des Albums. Richtig gute Rocksongs, denen einfach Kleinigkeiten fehlen um bei mir als absoluter Hit zu gelten.

Mehr gibt es dann aber auch schon leider gar nicht. Der Umfang ist arg überschaubar mit zehn Songs. Hier hätte es gerne mehr sein dürfen. Vielleicht ein kleiner Kritikpunkt. Es stimmt aber durchgehend die Qualität. Das geht also schon noch in Ordnung. Ist nur schade, da sich die Jungs nun wieder den Arsch wund touren werden und neues Songmaterial erstmal nicht mehr zu erwarten ist.

Wie lautet also mein Fazit? Titles braucht definitiv einen Moment um sich zu entfalten. Die ersten zwei bis drei Durchläufe dienen der Orientierung. Aber spätestens danach werden Fans der Band (fast) völlig überzeugt sein. Red City Radio entwickeln sich ohne den Fans dabei vor den Kopf zu stoßen und ohne internen Ausverkauf. Klar, wollen die nun auch mal ne Mark verdienen und klingen nicht  mehr so sperrig wie vor zwei Jahren. Aber hey, diese vier Gesellen bleiben dabei weiterhin absolut authentisch, nie perfekt, immer bemüht und selten nüchtern. Eine Band die einfach zu mir passt. Eine Band, die man irgendwie gerne haben muss. Und wenn sich dann ein Schwein mehr dafür interessiert, weil es einen Millimeter mehr Mainstream ist als früher, kommt mir das ja nur entgegen. Dann bekomme ich wenigstens leichter die neuesten Informationen aus Oklahoma City und bekomme mehr Chancen die Band mal in good old Germany zu begutachten.

Also ohne wenn und aber … Kaufen! Und wenn die Jungs mal wieder in Deutschland sind …  Hingehen! Diese Band hat sich euren Support einfach verdient.

Titles erscheint in Deutschland am 11.Oktober 2013.

Highlights:

Von vorne bis hinten großartig!

Ne handvoll Hits

Lowlights:

Überschaubarer Umfang

Ohne Garrett Dale nur noch gut, nicht mehr großartig.

Fazit: 

Red City Radio sind keine Eintagsfliegen. Oklahoma City rockt auch in 2013, und hoffentlich noch eine ganze Weile.

 

Manuel sagt:

 (9 von 10 Punkte)
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Manuel

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5 Responses

  1. Marlyn sagt:

    Einfach geil!
    Ich freu mich seit dem ersten Durchlauf von The Dangers of Standing Still auf das Album, und jetzt wo das Relesae näher rückt, kann man es schon ein bisschen mit der Angst kriegen!
    Tut gut zu hören, dass die Jungs richtig abgeliefert haben mit Titles, und auch schön zu hören dass man ihnen den Erfolg nach wie vor wünschen kann!
    Ich hoffe immer noch auf eine Europatour, wie verschroben der Gedanke im Moment auch immer sein mag!
    Gute Review übrigens, Objektivität wird auch nicht vermisst wenn man eben vorher darauf hinweist! Well played!

  2. Jay sagt:

    WOW, da spricht mir ja einer fast aus der Seele! Seit der EP, die bei mir gefühlte 1000000000 mal bisher hoch und runter gelaufen ist, liebe ich die Band! Der erste Longplayer hatte im ersten Moment nicht mehr die ganz großen Hits, was sich aber nach ein paar Durchläufen als totaler Blödsinn herausstellte. Mit „Titles“ verhält es sich ebenso, sie wächst und stellt sich immer mehr als großartige Fortführung bzw. Weiterentwicklung des bisherigen Schaffens heraus. Ich bin gespannt was noch kommt und hoffe auf eine neuerliche Deutschlandtour. Verdammt, irgendwie hört sich das ja fast nach „Fan“ an … 😉

  3. ML sagt:

    Schöne Kritik, auch wenn ich durchaus auch dont be a hero, find a friend und purple heart paper weight als hits ansehe. Die jungs schreiben einfach nur tolle mitreißende Songs und können es auch gar nicht anders. Titles ist ein absolutes Weltklasse Punkrock Album, das seines Gleichen sucht. Jetzt wird es Zeit für die nächste Europa Tour, meinetwegen auch mit Halt auf dem Monster Bash im Frühjahr. 10/10!! <3

  1. 7. Oktober 2013

    […] Review: Red City Radio – Titles […]

  2. 8. Februar 2014

    […] das Konzert-Highlight des Frühjahrs entdeckt. Haltet euch fest: RED CITY RADIO, die mit Titles und The Dangers Of Standing Still zwei der besten Alben der letzten Jahre rausgebracht haben […]

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