Review: Raised Fist – Veil of ignorance

Raised Fist lautet der Name meines neuen Flagschiffes in dem von mir so ungeliebten Hardcore-Hafen. Es mussten tatsächlich dreißig Jahre ins Land ziehen bis mich mal eine Hardcore-Band mit einem Album fast ausnahmslos überzeugt hat. Es durfte zwar schon immer mal schneller und härter sein wie bei Slipknot oder Static-X, aber als hardcore kann man die nun nicht grade bezeichnen. Nein, so richtig melodic-hardcore ist das was diese schwedische Band mit „Veil of ignorance“ schon 2009 rausgepresst hat. Schnell, energisch und dreckig, aber auch mit viel Gefühl versehen …

Wer auf die Frage „Was aufs Maul?“ eines drei Köpfe größeren Gegenübers mit „Gerne! Gleich hier oder gehen wir noch ein Stückchen zusammen?“ antwortet, sollte bei Raised Fist richtig sein. Dieses Album ist wie ein Kampf ohne die Chance auf einen eigenen Sieg. Hier gibt es gewaltig was auf die Zähne.

Die ersten beiden Geraden „Friends and traitors“ und „They can´t keep us down“ landen ungebremst in eurem Gesicht und lassen euch zu Boden gehen bevor ihr überhaupt wisst was los ist. Völlig klar scheint nur, hier gibt es verdammt noch mal keine Gnade. Das ist Hardcore in Reinkultur, der aber trotz aller Energie tolle Melodien nicht vergisst, wie es andere Vertreter dieses Genres leider so gerne tun.

Raised Fist sind ein unschlagbarer aber kein unfairer Gegner. Ab und an helfen sie einem durch langsamere Songs wieder auf die Beine, nachdem sie euch auf die Fresse gehauen hat. Wie beim melodiösen „Wounds“, wo die Band um Frontmuskelpaket Alexander Hagman mal ein wenig Druck rausnimmt und die durchdringende Stimme von Hagman den Ton angibt. Der Sänger klingt irgendwie nach Wayne Static (Static-X) plus dem Druck, der  sich nach der zweiten Tasse Kaffee am Morgen bemerkbar macht. Klingt nach scheiße? Nee, ist total geil wenn man sich erst einmal dran gewöhnt hat. Im Allgemeinen überträgt grade die Stimme Hagmans eine unglaubliche Energie auf den Hörer und das macht aus Raised Fist etwas Besonderes in meinen Augen und hebt sie deutlich vom Hardcore-Standard ab.

Nachdem man sich also berappelt hat geht es mit „City of cold“ direkt wieder zurück auf den Asphalt. Auch dieser Song ist ein absolutes Monster. Ein Schlag in die Fresse und ein Tritt in die Eier. Da wird jeder Moshpit-Mongole seine helle Freude dran haben. Aber auch hiernach wird einem ja wieder die Hand gereicht mit den ruhigeren „My last day“ und „Words and phrases“. Auch diese beiden Songs gehören zu den Sahnestücken des Albums und können auch von Leuten gut gehört werden die sonst nicht auf „Hardcore“ stehen. Raised Fist schaffen diesen Spagat zwischen Hardcore, Punk und dreckigem Rock meistens perfekt für mich. Die bisher benannten Songs gehören allesamt zu den besten die ich in letzter Zeit hören durfte.

Aber natürlich gibt es auch Kritikpunkte. So verfallen auch Raised Fist bei „Afraid“ oder „Never negotiate“ in diesen von mir so verhassten 1-2-3-Drescherei-Hardcore-Brei ohne ein Molekül an Melodie. So etwas ist echt schwer zu ertragen auf Dauer. Und „Out“ ist als letzter Song, der auch noch instrumental ist, nur noch ein Zeichen dafür, das der Kampf nun vorbei ist und man nach Hause kriechen darf. Ansosten ist der völlig überflüssig.

Alles in allem ist „Veil of ignorance“ aber vor allem ein absoluter Energy-Overkill. Wer beim hören diesem Albums nicht irgendwas kaputt machen will, dem ist nicht zu helfen … oder dem muss nicht geholfen werden…je nachdem, wie man das sehen möchte. Ich hätte nicht mehr gedacht, dass mir nochmal jemand den Hardcore näherbringen könnte. Mir tut alles weh, aber ich bin glücklich und zerrockt.

Hightlights:
6 Songs der Kategorie “Dasmusslauter”
Außergewöhnlicher Sänger
Verbindet Hardcore & Punk & Rock, so dass es für fast jedermann gut hörbar ist
Energisch, rotzig, mitreissend

Lowlights:
Out und Afraid sind nicht so pralle
Manchmal zu sehr dieses typische Hardcore-Geschredder

Fazit:
Nach meiner Lieblings-Punkband  kommt nun auch noch meine Lieblings-Hardcoreband aus Schweden.

Manuel sagt:
(8 von 10 Punkten)
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Manuel

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