Review: Kraftklub – In Schwarz

Das Album nach dem Durchbruch ist ja immer so eine Sache. Nie leicht, oft sogar verkackt und meist Anlass für Kritik von allen Seiten, vor allem (natürlich) am Ausverkauf. So gesehen ist der ironische Einstieg ins Album wirklich sehr gelungen. Das Spielchen wird umgedreht und den Schreihälsen der Spiegel vorgehalten.

Ich hab unsere Fans schon gekannt, da kannte die noch keiner. Damals ging es nicht um Uhren, schnelle Autos oder Weiber. Früher, als noch jeder von den’n was zu sagen hatte, da ging’s um Ideale, da ging es um die Sache. Vor’n paar Jahren war’n die echt, da war der Scheiß noch roh, 15 Uhr auf Festivals, 30 Gäste bei der Show. Doch alles, was sie mitgeschrien haben, war gelogen. Die sind doch mittlerweile alle nach Berlin gezogen … Unsere Fans ha’m sich verändert, unsere Fans ha’m sich verkauft, unsere Fans sind jetzt Mainstream!

Immer noch frisch und frech. Da ist gleich wieder positive Stimmung im Kraftklub-Universum. Überhaupt sorgen die Texte wieder an vielen Stellen für große Schmunzler. Das Mundwerk und die Kreatitivät funktionieren also noch. Auch kritischere Songs wie „Hand in Hand“ und das gar mit leichten Ska-Einflüssen durchsetzte „Schüsse in die Luft“ wissen zu überzeugen und haben ordentlich Druck im Kessel und erfreulich wütende Texte. Man muss die Popularität ja auch gezielt für Statements nutzen. Richtig so. Der große mahnende Zeigefinger wird jedoch auf „In Schwarz“ nicht erhoben. Viele Songs drehen sich wieder augenzwinkernd um die typischen Sorgen der Mitzwanziger: Probleme mit (und ohne) Frauen, Alkohol, Freunden, Selbstbewusstsein, Wohnungen etc. – und auch das ist in Ordnung.

Refrains fallen qualitativ ab

Was allerdings auffällt auf diesem Album: Die Bissigkeit der Strophen kann oftmals nicht in die Refrains transportiert werden. Denen fehlt die Power. „Wie ich“, „Zwei Dosen Sprite“ oder „Mein Rad“ haben leider ziemlich uninspirierte vorgetragene und schlicht belanglose Refrains. Vor allem „Mein Rad“ ist komplett misslungen. Dass es auch anders geht, zeigt „Alles wegen dir“ – der Song ist aus einem Guss. Ungewohnt agressiv geht’s dann neben „Hand in Hand“ auch bei „Schöner Tag“ zu. Dummerweise kann ich Casper einfach nicht leiden. Und auch hier wieder der zu schlappe Refrain. Der Song ist also quasi doppelt ärgerlich. „Für immer“ und „Blau“ erfinden das Rad zwar nicht neu und sind nicht sonderlich anspruchsvoll, aber man kann sie recht gut hören und darauf kommt’s ja schließlich an.

Zum Schluss wird noch mal aufgehorcht: Auf Akustik getrimmt und für Kraftklub-Verhältnisse sehr zurückhaltend wird bei „Meine Stadt ist zu laut“ eingestiegen. Gutes Thema, gut umgesetzt. Der Song funktioniert richtig gut und hier passt auch die Einbindung des Refrains wunderbar. Rausgeschmissen wird man standesgemäß: „Deine Gang“ stampft amtlich aus den Boxen und versöhnt den „The Hives“-Klänge gewöhnten Hörer mit dem mit dem zwar abwechslungsreichen, aber qualitativ auch schwankenden Album.

Highlights:
Unsere Fans
Schüsse in die Luft
Deine Gang
Meine Stadt ist zu laut

Lowlights:
Mein Rad

Fazit:
Nicht schlecht. Immer noch mit K, aber mit zu vielen Graustufen.

Christopher sagt: 7p  (7 / 10 Punkte)

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Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

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