Review: Korn – The Paradigm Shift

Wenn man die ersten fünf Lieder auf The Paradigm Shift hört, kommt man nicht umhin zu denken: „WHAT THE FUCK?! Korn sind ja wirklich wieder da!“ Meine Fresse! Kraftvoll, druckvoll, wütend. Und alles wegen der Rückkehr von Brian „Head“ Welch?! Naja, vermutlich hat er zumindest ganz gut damit zu tun. Was da an fetten Riffs und Geballer in Prey For Me, Love & Meth und What We Do rausgekloppt wird, ist ohne Zweifel großes Kino. Wer grundsätzlich was für dieses Genre übrig hat, wird sich bei den ersten Tracks richtig wohlig fühlen.

Und auch Jonathan Davis strengt sich an. Da wird gesungen und geschrien mit einer Inbrunst und Fülle, wie man sie sonst nur aus früheren Tagen kannte (genau, das ist schon ewig her!). Und selbst als es bei Spike In The Veins dann ein kleines bißchen ruhiger wird, weiß der Song trotzdem mit Dichte und Power zu überzeugen, wie zumindest ich es nicht mehr erwartet hatte. Ein paar „Psycho-Effekte“ aus’m Instrument geschüttelt, damit die Hook eingeläutet und der Track explodiert dann förmlich. Mass Hysteria reiht sich ebenfalls noch in der ersten Liga ein, auch wenn der Song schon getragener und aufgeräumter daherkommt. Bis hierhin aber der pure Sonnenschein im Korn-Land. Leider kann das Niveau nicht ganz gehalten werden.

Paranoid And Aroused schon nicht mehr ganz mithalten. Die Strophen knüppeln noch ganz gut, ausgerechnet der Refrain lässt aber an Esprit vermissen und ist relativ langweilig geraten. Bei dem Soundkorsett wäre sicher mehr drin gewesen für diesen Song, zumal er so ca. bei zweieinhalb Minuten richtig agressiv fetzt (Scream, Jonathan, scream!!!!)! In der Folge werden Zügellosigkeit, Chaos und Härte dann auch mal zurückgefahren. Sind ja auch schon in den 40ern die Herren und irgendwann ist es dann auch mal gut. Never Never, Victimized und It’s All Wrong scheinen mehr oder weniger Zugeständisse an jene Korn-Jünger zu sein, die es nicht ganz so auf die Fresse mögen. Songs in geordneteren Bahnen und teilweise bedächtigere Töne prägen die zweite Hälfte des Albums. Vor allem aber wird es eingermaßen überraschungsfrei innerhalb der Songs.

Auch Lullaby For A Sadist kann keinen wirklichen Druck mehr aufbauen und geht beinahe als Ballade durch. Allerdings schon eine gelungene Umsetzung des Themas und in Gänze durchaus okay. Ein Lichtblick der zweiten Hälfte ist Punishment Time. Zwar wird der Fokus hier sehr auf die hohe und fast schon zarte Stimme von Davis in den Strophen gelegt und der Rest kommt auch eher zahm (Mainstream, ik hör dir trapsen) rüber, dennoch geht der Song richtig gut ins Ohr.

In der Deluxe-Edition bekommt man noch zwei weitere Tracks dazu. Hätte ich gewusst, was mich hier erwartet, hätte ich ganz bestimmt auch zu der umfangreicheren Variante gegriffen. Um mich mit Korn wieder zu versöhnen, haben aber auch die elf Lieder der Standard-Variante vollkommen ausgereicht.

Highlights:
Prey For Me
Love & Meth
Spike In My Veins
What We Do
Mass Hysteria

Lowlights:
Zweite Hälfte des Albums kann nicht ganz das starke Niveau halten.

Service (Vimeo-Video):
Love & Meth

Fazit:
Ich bin entzückt. So ein gutes Album hätte ich Korn im Leben nicht mehr zugetraut. Mit Abstand das beste, was man seit mindestens zehn Jahren von dieser Band hören durfte.

Christopher sagt:
8p (8 von 10 Punkte)
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Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

1 Response

  1. 29. Oktober 2013

    […] Startschwierigkeiten eigentlich nur damit erklären, dass ich zeitgleich den härteren Klängen von Korn erlegen bin und mich diese ruhigere Musik ganz einfach nicht erreicht hat. Mit Monday Morning wird […]

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