Review: Flatfoot 56 – Toil

Mit Toil melden sich die Chicagoer Folk-Rocker von Flatfoot 56 zurück. Tja, und was soll man sagen. Fast hätte ich es verpasst, denn hierzulande kennt die Jungs trotz meiner ständigen Lobpreisungen scheinbar immer noch keine Sau. An ein Album von Flatfoot 56 ranzukommen, ohne dieses importieren zu lassen, ist irgendwie schwierig. Auf ein solches überhaupt aufmerksam zu werden nur möglich, wenn man gezielt sucht. Bleibt die Frage: Warum nur? Denn während sich die Dropkick Murphys hierzulande größter Beliebtheit erfreuen und ganze Hallen füllen bleiben Flatfoot 56 kommerziell auf der Strecke und schaffen nur in den seltensten Fällen den Sprung über den großen Teich zu uns herüber um dann in kleinsten Clubs zu spielen. Klar geht das vielen Bands so, aber diese sind dann in der Regel qualitativ auch wesentlich schlechter als beispielsweise die Murphys. Ein Zustand den ich Flatfoot keinesfalls attestieren würde. Die Jungs hauen mit Toil nämlich bereits das dritte gute Album in Folge raus und sind für mich seit je her auf einer Stufe mit den Mollys und Murphys dieser Welt. Also werde ich weiter eine Lanze für die Jungs brechen. Und zwar gerne, denn auch mit Toil enttäuscht mich die Band nicht.

Einen Großteil hierzu liefert der sahnemäßige Titeltrack. Toil ist mit seinem Text aus der Arbeiterklasse und seinem eingängigen Refrain das Prachtstück des Albums. Die Atmosphäre, die dieser Song vermittelt ist jederzeit absolut greifbar und lädt zum nachdenken wie auch zum fußwippen ein. Wie heisst es so schön im Text: „From the steel workers in Pittsburgh, to the trucker and his load, all feeding that old fat cat just hoping he’ll explode.” Braucht man nichts hinzuzufügen. Den Song höre ich komischerweise grade richtig gerne auf dem Weg zur Arbeit … ein Schelm, wer hier …

Beim Opener Brother, brother oder auch Work for them schwingen die Plattfüsse sogar wieder die altbekannte Celtic-Punk-Keule früherer Zeiten. Hier klingen Flatfoot einfach stark an das Jungle of the midwest sea-Album, was ich persönlich immer noch am stärksten finde. Die Band lebt halt von ihrer ungehobelten Angriffslustigkeit. Sie lebt davon, dass halt nicht alles perfekt klingt. Ja, es gibt tatsächlich diese handvoll Bands bei denen ich eine musikalische Weiterentwicklung im Prinzip gar nicht so toll finde. Flatfoot gehört definitv dazu.

Aalglatte Songs will ich von Flatfoot 56 nicht hören. So ein Song ist zum Beispiel die erste Single I believe it. Ist natürlich ein Gute-Laune-Song, der einen  durchweg positiv stimmt. Aber mehr als einmal anhören muss ich mir den dann nicht unbedingt. Hier fehlt mir einfach alles was die Band für mich ausmacht. Celtic Punk, rauer Gesang und schnelles, wildes Zusammenspiel traditioneller und moderner Instrumente. Auch schwach finde ich Songs wie Take hold again und Strong man. Das ist einfach nicht der Standard den ich von Flatfoot erwarte, sondern wirkt irgendwie völlig uninspiriert, berechenbar und beliebig austauschbar was in der Summe wohl langweilig ergibt.

Glücklicherweise kann das Album komplett betrachtet aber noch mit einigen Schmankerl a la 6´10 glänzen und somit enlässt es mich zufrieden mit I´ll fly away. Die Jungs aus Chicago machen einfach wieder einmal insgesamt ein dickes Spaßfass auf. Vom Niveau her für mich nicht mehr so klasse wie die beiden Vorgängeralben und trotzdem haben Flatfoot 56 den Status „Beste Celtic-Punk-Band“ bei mir weiter zementiert.

Highlights:
Toil

Lowlights:
Zu viele Lückenfüller, die nicht dem hohen Flatfoot-Standard gerecht werden

Fazit:
Toil bedeutet schuften. Müssen die Jungs auch weiterhin, denn der Durchbruch, so denn überhaupt gewollt, wird mit Toil ausbleiben.

Manuel sagt:
 (7 von 10 Punkten)
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Toil

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