Review: Fiddler´s Green – Wall of Folk

Tja, ein typischer Fall von „selber Schuld“. Hätte hätte hätte! Hätte ich mir mehr als nur einen Song des neuen Fiddler´s Green Album „Wall of folk“ angehört, so hätte ich vor dem Kauf erkennen können das hier Folk-Pop statt Folk-Punk herrscht. Hätte ich mich daran erinnert, dass ich Fiddler´s Green schon so lange kenne wie Flogging Molly, nämlich gute 12 Jahre, hätte ich mich wohl daran erinnert, dass ich sie noch nie gut fand. Hätte ich doch wenigstens in die beiden Cover-Versionen „Irish rover“ und „Dirty old town“ reingehört, so hätte ich sofort gewusst, dass ich mit Fiddler´s Green in diesem Leben nicht mehr warm werde.

Hätte hätte hätte! Habe ich aber nicht! Also habe ich hier für zehn Euro ein Folk-Pop-Album vor mir liegen, welches ich, als kompletten Durchlauf, nie wieder hören werde. Sicherlich, ein oder zwei Songs werde ich mir mit auf meinen MP3-Player oder mit ins Auto nehmen. Beispielsweise das ziemlich gute „Victor and his demons“ oder das fixe „P stands for Paddy“. Aber Fiddler´s Green über eine komplette Albumlänge? Ne, das wird in meinem Falle leider nichts werden.

Gründe hierfür gibt es wahrlich genug. Fangen wir mal an mit dem größten Grund. Die Sänger!  Egal wer bei der Erlanger Band das Mikro ergreift, es ergreift mich nicht. Jedem der Sänger fehlt es an der typischen Rauheit, die ich mir bei Folk einfach wünsche. So ein wenig Whiskey darf man da schon hören. Fiddler´s Green sind mir hier einfach zu glatt und zu brav. Das macht die Konkurrenz von Flogging Molly oder The Tossers, und die wird man ja wohl bei der Art von Musik nennen dürfen, einfach besser und klingen hierdurch wesentlich authentischer für mich.

Zu glatt und zu brav lässt sich im Allgemeinen auch auf die restlichen Songs des Albums übertragen. Das ist alles okey! Grade für eine deutsche Band die Folk macht. „Wall of Folk“ kann teilweise mit nettem Folk-Pop überzeugen. Leise im Hintergrund laufend, in einem Irish Pub, beidhändig bewaffnet mit Bier und Whiskey, kann ich mir das gut geben. Da wird das Album keinesfalls negativ auffallen. Aber wenn es wirklich um das Hören der Musik geht, ziehe ich kraftvollere Stücke von besseren Bands dieses Genres vor.

Und dann kommen zwei Dinge, die ich überhaupt nicht verstehen kann. Der Song „Fields of Green / Nie zu spät“. Was soll das denn bitte sein? Da hat man schon keinen geringeren Gastmusiker als das letzte Einhorn, Michael Rhein, Sänger von In Extremo im Gepäck um dann so einen Mist einzuspielen? Der Song passt wunderbar auf eine Europameisterschaft 2012-Compilation, direkt zwischen Oliver Pocher und Revolverheld. Unfassbar!

Die negativen Höhepunkte stellen aber die Coverversionen von „Irish Rover“ und „Dirty old town“ dar. Da begibt man sich schon auf sicheres Terrain und covert zum siebenhundertsten Mal diese beiden Stücke um selbst dort noch gnadenlos, aber richtig gnadenlos, zu scheitern.

Während ich „Irish Rover“ einfach nur schon sechshundertneunundneunzig Mal besser gehört habe ist „Dirty old town“ einfach nur unglaublich mies. Einfach mal nur 12 Songs einspielen und die Finger von Sachen lassen, die man nicht wuppen kann. So geht es jedenfalls gar nicht! The Dubliners und The Pogues würden sich im Grabe umdrehen wenn es schon so weit wäre …

Was bleibt ist also harmloser Folk-Pop aus deutschen Landen. Gewohnt öde, since 1990!

Hätte ich doch …

Highlights:
Victor and his demons

Lowlights:
Mir fehlt da gehörig Druck
Coverversionen
Stimmen der Sänger. Passt irgendwie alles nicht!

Fazit:
Dann doch sogar lieber das „Speed of darkness“ von den Mollys.

Manuel sagt:
(5 von 10 Punkten)
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Service (Youtube-Videos):
Victor and his demons
Irish Rover

 

Manuel

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1 Response

  1. Christopher sagt:

    Bei mir sind sie leider auch seit Jahren ziemlich erfolgreich darin, keinen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Dieses Album habe ich aber noch gar nicht gehört.

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