Review: blink-182 – Neighborhoods

Wenige Bands habe ich vor einer knappen Dekade und dem haarscharf verhindertem Milleniums-Weltuntergang so sehr geliebt, wie blink-182. Der grenzdebile Humor traf damals genau meinen Nerv, die Videos waren lustig, die Lieder fröhlich, schnell und erfrischend anders. Und egal wie betrunken du warst, du hast immer noch überall einen gefunden, der die Lieder ebenfalls noch mitgröhlen wollte, denn blink mochten sie ja fast alle irgendwann mal. Herrlich war das damals.

Und heute? Heute sind die drei Herren erwachsen geworden (wobei ich mir da bei den aktuell kursierenden Konzertmitschnitten doch nicht mehr so ganz sicher bin) und wie es die ganzen Nebenprojekte der letzten Jahren bereits erahnen ließen, hat dieses Album mit den Veröffentlichungen um die Jahrtausendwende nicht mehr viel gemeinsam. Kein Problem. Wer mir so viel Spaß beim Musik hören bereitet hat, der darf sich auch irgendwann einmal zurücklehnen und etwas nachdenklichere Töne anschlagen. Und das tun blink-182 auf ihrem aktuellen Album „Neighborhoods“ auch.

War ich nach den ersten Hördurchgängen doch noch ein wenig enttäuscht vom aktuellen Material, so darf ich nun verkünden: Da haben sie ein schönes Album rausgehauen. Mit richtig tollen Songs. Vor allem das großartige Ghost On The Dancefloor birgt für mich das Potential mittelfristig in einer Liga mit einem I Miss You hängen zu bleiben. Natives und Snake Charmer sind ebenfalls awesome geworden. Findest du nicht? Hör sie dir ruhig noch mal an – sie brauchen etwas Zeit … wie eigentlich alles auf dem Album. This Is Home, MH 4.18.2011 oder After Midnight – schöne Songs, die aber allesamt „Einarbeitungszeit“ benötigen.

Das klappt aber zugegebenermaßen nicht bei allen Songs. Das vorab veröffentlichte Up All Night konnte (und kann) mich beispielsweise nicht überzeugen. Da hatte ich im Vorfeld der Albumveröffentlichung schon das Schlimmste befürchtet. Irgendwie passt hier die Mischung nicht. Instrumente, Lyrics, hart und zart im Wechselspiel. Aber: Das alles klingt für meine Ohren irgendwie unausgegoren. Wie man es besser macht, zeigen uns blink kurz darauf bei Snake Charmer. Hier harmonieren die agressiven Parts wunderbar mit den minimalistisch und fast schon intim anmutenden Versen, bevor über die Hookline wieder Fahrt aufgenommen wird. Großer Song!

Den einen oder anderen kleinen Blick zurück in die Vergangenheit gibts dann aber doch noch: Das Uptempo Geschrubbel von Heart’s All Gone und der letzte Track des Albums Even If She Falls hätten sich auch auf früheren Veröffentlichungen gut gemacht. Ob das als Kompliment gilt, muss jeder für sich selbst beantworten. Rein hören lohnt sich aber auch hier.

Nun aber genug des Lobes. Es gibt auch schrott: Wer sich freiwillig durch Fighting The Gravity hört, verdient meine vollste Hochachtung. Da waren die Herrschaften wohl in anderen Sphären unterwegs. Ziemlich Öde. Love Is Dangerous ist zwar eigentlich gar nicht so richtig schlecht, wird aber vom billigen Refrain zerstört. Bei Kaleidoscope ist es andersrum, die normalen Strophen plätschern so dahin, bis das Lied über Hook und Refrain doch noch an Kraft und Ausdruck gewinnt. Und bei Wishin Well machen sie es sich mit dem Dadadada-Refrain ein klitzebißchen zu einfach, aber insgesamt ist das schon noch ein recht sympathischer Song. Wie im Grunde das ganze Album. Gelungenes Comeback.

Highlights:
– Ghost On The Dancefloor
– Snake Charmer

Lowlights:
– Fighting The Gravity
– Love Is Dangerous

Service (Video):
Ghost On The Dancefloor, MH 4.18.11

Fazit:
Erstaunlich, dass die drei Vollpfosten es tatsächlich doch noch geschafft haben, ein durchweg ausgewogenes, erwachsenes Rockalbum rauszubringen. Mit teilweise richtig guten Songs!

Christopher sagt:
(7 von 10 Punkten)
Die Leser sagen:

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars6 Stars7 Stars8 Stars9 Stars10 Stars (3 votes, average: 5,67 out of 10)

Loading...

Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

3 Responses

  1. Aaron sagt:

    Ich habe mich mal an der Challenge mit „Fight the Gravity“ probiert…. Alter, mir ging noch nie ein Lied nach 7 Sekunden iTunes Ausschnitt hören so auf den Sack. Da haben die Jungs ganz mies gestrecktes Crack serviert bekommen.

  2. Christopher sagt:

    Ist auch aus meiner Sicht ein Tiefpunkt auf dem Album 😉

  1. 24. Januar 2013

    […] die fünf Songs kaum in einer Best-of-blink182-Liste auftauchen. Das hat aber hoffentlich nach Neighborhoods auch niemand mehr erwartet. Aber die EP ist halt auch alles andere als schlecht. blink182 bleiben […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.