Review: A Wilhelm Scream – Partycrasher

A WILHELM SCREAM haben in den 2000er Jahren einen beachtlichen Output an Alben und guten Songs gehabt. Kaum eine Alternative-Disse kam an den Jungs aus Massachusetts vorbei. So erzählt man sich zumindest. Denn: Ich habe die Band bis jetzt komplett ignoriert. Nicht einen einzigen verdammten Song könnte ich wissentlich der Truppe zuordnen. Skandal! Schande! Wie Scheiße seid ihr bei dasmusslauter?! Dummbratzen! Bildungslücke! WFT?!!!! Äh, Wurscht. Hat für mich vor allem den Vorteil, in den nächsten Wochen einiges nachholen zu können. Denn: Partycrasher ist ein geiles Album und macht richtig Lust auf mehr!

Mit Boat Builders wird uns gleich zu Beginn ein richtiges Punkbrett um die Ohren geklöppelt. Gleichzeitig ist der Song unheimlich melodisch, die Lyrics bleiben sofort hängen. Es wird gesungen und geschrien. Immer wieder im Wechsel. So, wie ich das gerne mag. Topsong. In der gleichen Liga spielt The Last Laugh: Unheimlich eingängiger, schneller Punkrocksong mit dreckigen Lyrics. So ein wenig fühle ich mich erinnert an die besten Eigenschaften von Rise Against und Hot Water Music erinnert. Es fetzt, knallt, ist melodiös und doch agressiv – und irgendwie immer auch voller Raffinesse. Ich bin beeindruckt und frage mich jetzt doch irgendwie, warum AWS und ich uns nicht schon vor zehn Jahren kennengelernt haben. Dann wären wir heute vermutlich Best Friends Forever …

Und mein Highlight-Song kommt ja jetzt erst: Devil Don’t Know. Ein absoluter Killer-Refrain eingebettet in einen 1A-Punksong. Da kannste den Schweiß im Moshpit vor der Bühne jetzt schon riechen! Auch Number One und das bereits zuvor erschienene Born A Wise Man setzen sich auf meiner Hitliste gerade ganz, ganz weit oben fest. Letzeres wirkt zwar zunächst etwas unaufgeräumt und chaotisch, aber wenn man erst mal drin ist, entwickelt sich der Song. Wie bei anderen Songs auch, erinnern mich die paar Sekunden Instrumental-Soli immer an längst vergangene Metal-Tage. Meist stören mich ja reine Instrumental-Abschnitte. Hier sind sie aber so dezent eingebettet, dass ich damit gut leben kann. Funktioniert allerdings zugegebenermaßen auch nicht immer. Bei Wild Turkey beispielsweise stehe ich hin und wieder schon mal gefährlich nah vor dem Skip-Knopf. Für mich einer der schlechteren Songs auf dem Album. Mit Hairy Scarecrow kann ich mich ebenfalls nicht so recht anfreunden. Zwar sind auch hier eingängige Melodien gepaart mit Agressivität, Geknüppel und großem, fiesen Geschrei. Aber es zündet hier einfach nicht. Auch nach’m zehnten Mal Hören nicht. Kann passieren. Wo Licht ist, ist halt irgendwo auch mal ein wenig Schatten.

Bleiben noch Songs wie Walkin‘ With Michael Douglas, Sassaquin oder Ice Man Left A Trail, die ein beeindruckend breites Spektrum der Vielfältigkeit von A Wilhelm Scream aufzeigen (von bodenständig punkrockig, groovy bis zum metallischen „das-ist-eine-wahre-freude“-Geknüppel). Sie können jedoch, obwohl sie allesamt überdurchschnittlich gut hörbar sind, das Feuer bei mir nicht vollständig entfachen. In die Lücke zwischen den grandiosen und den „nur guten“ Songs schummelt sich Gut Sick Companion. Hier wird voller Inbrunst auf die Instrumente eingedroschen und aus voller Kehle geschrien. Gleichzeitig schaffen es AWS aber, das ganze wieder mit einer tollen Melodie zu versehen und mit ein paar Variationen zu würzen. Und das scheint mir das Geheimnis ihres Könnens zu sein: Eine wirklich anspruchsvolle melodiöse Härte gepaart mit einer ordentlichen Portion Wut und Leidenschaft im Gesang.

Highlights:
Devil Don’t Know
The Last Laugh
Number One
Boat Builders

Lowlights:
Hairy Scarecrow
Wild Turkey

Fazit:
Mit mehreren Songs von Null auf Hundert in meiner Hitliste. Das musste
erst mal schaffen. Klare Kaufempfehlung!

Christopher sagt:
8p (8 von 10 Punkte)
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Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

1 Response

  1. 17. August 2014

    […] im November haben A Wilhelm Scream das Album Partycrasher rausgebracht und damit nicht nur bei mir einen Nerv getroffen. Fast durch die Bank weg ist das Album mit guten Bewertungen überschüttet worden. Zu recht! Jetzt […]

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