Review: Red City Radio – The dangers of standing still

Es muss irgendwann in 2010 gewesen sein, als ein großer, sehr großer behaarter Mann einige Songzeilen in mein Gehirn fräste, mit einer Stimme die so rauh rubbelte, dass sie locker eine Zahnsteinbehandlung ersetzen konnte. Die Zeilen gehörten zum Song „We are the sons of Woody Guthrie“ der Band Red City Radio, einer Rockformation aus Oklahoma City, und die Rubbelstimme war die von Garrett Dale, einem der beiden Sänger der Band . Ich war überaus beeindruckt, war mir diese Band doch bisher völlig unbekannt gewesen. Leider gab es zu diesem Zeitpunkt nur eine EP und so verlor ich sie leider etwas aus den Augen. Aber ich wusste … von Red City Radio würde ich in Zukunft noch etwas hören.

Nun rund ein Jahr Jahr nach Erscheinen der EP „To the sons & daughters of Woody Guthrie“, die dieses eingangs besagte Lied enthielt, schicken Red City Radio ihren ersten Longplayer „The dangers of standing still“ hinterher. Und ich wusste doch, ich würde noch etwas von ihnen hören. Und wie ich von ihnen hören würde …halleluja !

„Together we can burn this fucking city to the ground”, dieser Einladung von Red City Radio aus dem Song “Two for flinching” folge ich doch gerne. Die Band bringt kanisterweise Benzin in Form von frischem, geradlinigem Rock und dem richtigen Gefühl für eingängige Melodien mit. Da  reiche ich gerne das Streichholz um das Album in den Rock-Olymp zu sprengen und die ganze Stadt niederzubrennen. Warscheinlich werden bei der Explosion auch die Nachbarstädte weggesprengt, denn dieses Album hat mehr Druck als ein Konfirmant und ist roher als ein 2 Minuten-Ei.

Red City Radio hat hier ein Punk-Rock-Monster erschaffen, welches sich am liebsten mit anderen Monstern in die Sonne legt, Blödsinn redet, einen tollen Tag hat, und so viel Bier trinkt, bis es melancholisch wird, und schließlich volltrunken den „alten Zeiten“ nachtrauert. Das ist es zumindest was ich fühle, wenn ich die Jungs höre. Hier ist der Soundtrack zu so ziemlich jedem Gefühl welches sich beim „Trinken mit den Jungs“ einstellen kann. Man ist euphorisch und will durchdrehen, man träumt zusammen von neuen Zielen, man verarbeitet alte Beziehungen und wenn sich die Nacht dem Ende neigt wird man etwas traurig, wissend, dass man älter wird und sich solche Momente immer seltener wiederholen lassen werden. Willkommen bei „The dangers of standig still“. All dies packen die Jungs in ein Album aus 13 durchweg guten, bis sehr guten, bis „oh my fuckin´god“ unglaublichen Songs.

Den Unterschied zum Rock-Einheitsbrei machen neben tollen Melodien, klasse singalongs und ein super Gespür fürs timing, größtenteils die Stimmen von Garrett Dale und Paul Pendley. Dieser rotzige meist zweistimmige Gesang zieht sich wie ein roter Faden durchs Album, Pendley singt zumeist die schnelleren Passagen während Dale für das Gänsehaut-Brummen zuständig ist. Und wie der brummen kann. Und wenn sie zusammen loslegen bleibt  kein Fuß ruhig und kein Glas voll. Versprochen !

Diese Mischung macht aus Red City Radio einen „noch“ absoluten Geheimtip. Nicht mehr lange, denn sowas gutes kann einfach nicht unentdeckt bleiben. Bei den Songs kann man das heftig mitreissende „You´re poison, I´m well“ , das hymnische „Spinning in circles is a gateway drug“ sowie das etwas ruhigere „Drinking yourself into the future“ hervorheben.  Dazu gesellen sich gut sieben oder acht Songs, die die Rock-Championsleague-Gruppenphase locker überstehen. Klar,  kleinere Schönheitsfehler gibt es natürlich auch hier. So fallen grade die letzten beide Stücke des Albums „Nathaniel Martinez'“ und „Never bring a cup of water to a gunfight“ leicht ab und sporadisch werden etwas zu viele poppige „aaahh“ und „ooh ooh ooh“-Passagen eingeworfen, die man sich hätte sparen können.

Aber das sind wirklich minimale Fehler in einem großartigen Album. Als würde man Lionel Messi „Kopfballschwäche“ vorwerfen. Macht ja auch kein Mensch … und zwar zu Recht !

Red City Radio sind für mich jetzt schon die Überraschung des Jahres und „The dangers of standing still“ ein Album voller Energie, Spielfreude und Authenzität. Das Ding macht einfach saumäßig spaß.
Grade für ein Debüt ist das schon beängstigend gut. Also Bier her ! Das Monster will sich wieder in die Sonne legen ….

Highlights:
– 13 durchweg gute Songs ohne Aussetzer.
– extem starkes Debüt

Lowlights:
– ab und an zu poppige „aaah“ und „ooh ooh“- Passagen

Fazit:
Red City Radio bleibt mit Sicherheit die nächsten Jahre auf Sendung!

Manuel sagt:

 (10 von 10 Punkten)

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Manuel

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10 Responses

  1. fidji sagt:

    super…. hoffe man sieht sich am 1.oktober bei red city radio in konstanz im contrast

  2. Manuel sagt:

    Ich würde meinen Fuß essen, wenn ich sie dann live sehen könnte. Aber Konstanz ist dann doch zu weit weg. Ich hoffe einfach, dass die Jungs bald die Aufmerksamkeit bekommen die sie verdienen und sich dann auch in Norddeutschland tummeln…

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