Review: Hot Water Music – Exister

Falls du noch nie mit Hot Water Music in Kontakt gekommen bist, dürfte dieses Review für dich genau richtig sein. Denn dann geht es dir im groben wie mir. All die langjährigen Die-Hard-Fans werden wahrscheinlich ob dieser Zeilen eher die Hände über ihren Köpfen zusammenschlagen. Denn ehrlicherweise muss ich gestehen, dass mich Hot Water Music bisher nicht sonderlich interessiert haben und ich daher keinerlei Vorgeschichte mit der Band oder den Soloprojekten habe. Sie waren mir zwar bekannt und 2002 beim Bizarre Festival hätte ich sie fast mal gesehen, aber rund um die Jahrtausendwende war ich mit Nu Metal bestens versorgt. Danach zog es mich punktechnisch in die Richtung Terrorgruppe, Less Than Jake, Millencolin und allerlei solcher Kapellen. Postpunk /-hardcore /-whatever hatten es hingegen mit Ausnahme vereinzelter Songs schon immer schwer bei mir. „Post“ ist sowieso ein Wort, was mich bei Genre-Einteilungen grundsätzlich nicht anspricht. Umso erstaunlicher, dass mich nun ausgerechnet das nach achtjähriger Bandpause erscheinende Werk „Exister“ plötzlich begeistern kann.

Da sind auf der einen Seite erstaunlich melodische Parts in den Songs, die ich irgendwie so gar nicht mit Hot Water Music in Verbindung gebracht hätte, gleichzeitig aber auch viele kraftvolle, raue und vor Energie nur so strotzende Songs. Beide Welten harmonieren größtenteils ganz wunderbar mit dem herrlich schroffen und ruppigen Gesang.

Mainline ergreift einen sofort mit den ersten Tönen und nimmt einen direkt gefangen. Herzlich Willkommen bei Hot Water Music! Wer das Lied nicht mag, sollte schleunigst drei-, viermal auf Repeat drücken, denn der Track kickt richtig. Auch Boy, You’re Gonna Hurt Someone legt ein schönes Tempo vor, allerdings gefällt mir der Gesang hier nicht so sehr. Der Wechsel zwischen den sanfteren Strophen und dem kraftvolleren Refrain wirkt für mich nicht hunderprozentig stimmig, dafür ist das Lied melodisch ein echter Genuss. Vielleicht muss ich mir hier mehr reinhören, noch fehlt mir aber so ein wenig der Zugang zu diesem Track.
Bei State Of Grace wird das Tempo ein klein wenig gezügelt, aber dennoch kommt der Track keineswegs schwermütig und langsam daher. Trotz der Lyrics erwische ich mich sogar dabei, wie ich gut gelaunt mit dem Fuß wippe. Na denn …

Drag My Body ist so der typische Song für mich, den man zwar mit durchlaufen lässt, der mir aber im Grunde nichts Besonderes zu bieten hat. Zwar werden Lyrics und Instrumente im Songverlauf mit großer Inbrunst auf die Ohren losgelassen, aber der Funke will an dieser Stelle nicht so richtig überspringen. Safety macht es mir da leichter, es macht bereits von der ersten Sekunde mehr Spaß. Melodisch kommt das ganze eine Ecke sympathischer rüber und spricht mich daher direkt mehr an. Der Titeltrack Exister überzeugt ebenfalls. Die ersten Sekunden des Spannungsaufbaus münden in einer kraftvollen und eingängigen Uptempo-Nummer, deren einziges Manko die gefühlte 73-fache Wiederholung der Textzeile „Another time, another place“ ist. Erstaunlicherweise fällt das aber irgendwie nicht sonderlich negativ ins Gewicht, weil der Track insgesamt einfach Spaß macht.

Im weiteren Verlauf lädt Take No Prisoners mit melodiösen Tönen und einem Refrain zum Mitsingen ein und hebt das Niveau nach dem doch etwas enttäuschenden Wrong Way wieder an. Wann immer Hot Water Music das Tempo hoch halten, haben sie mich im Sack. Bei dem etwas schwerfällig daherkommenden No End Left In Sight klappt das nicht. Entschädigt werde ich dafür mit zwei Krachern am Ende des Albums: The Traps kommt kraftvoll eingängig und sehr einnehmend daher und weiß dadurch richtig gut zu gefallen. Das Highlight ist aber der letzte Track, Paid In Full. Denn da ist sie wieder, die kompromisslose, direkt ins Ohr gehende Uptempo Nummer mit schrubbeliger Reibeisenstimme. Stark!

Highlights:
– Mainline
– Paid in full

Lowlights:
– Wrong Way
– State Of Grace

Fazit:
Ich bin ziemlich angefixt und habe Blut geleckt. Wer mag, darf sich gerne dazu berufen fühlen, mir seine ganz persönlichen Hot Water Music Topsongs in die Kommentare zu schmeißen, damit ich diese „Musiklücke“ bei mir schließen kann.

Christopher sagt: 8p (8 von 10 Punkten)

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Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

6 Responses

  1. Phélan Ségur sagt:

    Mit Topsongs will ich gar nicht erst langweilen .. nimm einfach die Topalben .. am Besten fängst du hinten an und hörst dich nach vorne durch. Ach so, ich sollte noch sagen welche Alben .. ALLE !!!

  2. Aaron sagt:

    Ich bin schon vor gut 10 Jahren auf die gestoßen, weil ich mir damals zu Napster-Zeiten einzelne Songs von Jimmy Eat World heruntergeladen habe und da war „December 17th“ von Hot Water Music eben als „December – Jimmy Eat World“ benannt und ich habe mit dieser Lüge bis vor kurzem gelebt. Und mir halt gedacht, dass ich den früheren Sänger und Stil von Jimmy Eat World besser fand…
    Der Song ist nicht im Netz zu finden, geschweige denn der Band zuzuordnen, aber ich habe die Musikerkennungs-App gefragt und die behauptet, das es eine LP von Hot Water Music mit gleichnamigen Song gibt.

  3. Aaron sagt:

    Ah, Track doch gefunden (vorher nur December eingegeben); http://www.amazon.com/December-17th/dp/B001A35KII

  1. 26. Januar 2014

    […] gab’s eine Lobhudelei, die die Latte von vornherein extrem hochgelegt hat: “Klingen wie Hot Water Music oder Title Fight, nur eben auf deutsch.” Große Worte. Zurecht, wie sich dann rausstellen […]

  2. 20. März 2014

    […] Ragan ist wieder da. Nach dem großartigen Album “Exister” mit seiner Haus-und-Hof Band HOT WATER MUSIC aus dem Jahre 2012 hat der Mann mit der […]

  3. 11. April 2015

    […] Ragan ist wieder da. Nach dem großartigen Album “Exister” mit seiner Haus-und-Hof Band HOT WATER MUSIC aus dem Jahre 2012 hat der Mann mit der […]

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