Review: Flogging Molly – Speed of darkness

Flogging Molly, die Folk-Punk-Rocker aus Los Angeles sind wohl mittlerweile so ziemlich jedem ein Begriff. Ihrem Mix aus irischem Folk und Punkrock kann man nicht entkommen. Die Band um Sänger Dave King, ist authentisch und verbreitet Stimmung, egal wo man sie hört. Von der Oma bis zum spießigen Nachbarn, Punker und Altrocker, wenn Flogging Molly loslegen wippt der Fuß bei jedem. So war das bisher zumindest immer … nun leider nur noch selten.
Ach herrje! Kann man bei einem Studio-Album eigentlich von Arbeitsverweigerung sprechen? Ja okey, eher nicht! Legen Flogging Molly doch mit „Speed of darkness“ ein Konzeptalbum vor, welches sie nach eigenen Angaben nie geplant hatten zu schreiben. Vielmehr sei es ein Album, welches geschrieben werden musste um nicht durchzudrehen. Verständlich bei der momentanen Situation der Welt. Ob Fukushima, die liebe Politik, oder die Dunkelheit der Herzen im Allgemeinen. Es gibt wahrlich genug Sachen auf der Welt, die einen traurig stimmen und die man anprangern kann. Die Welt ist am Arsch, und darauf wollen Flogging Molly in „Speed of darkness“ aufmerksam machen, und trotzdem Mut zusprechen. Das ist ja erstmal sehr löblich und gut gemeint. Klar auch, dass bei diesem Konzept die Partyhits und Trinklieder nicht grade Konjunktur haben. Wer will schon den Zerfall der Welt feiern?

Ich hab auch nix dagegen, wenn dann mal ruhigere Töne herrschen. Aber mal unter uns … das geht doch auch alles in gut, oder was? Man kann doch den mahnenden Finger heben und trotzdem rocken! Das haben Flogging Molly doch schon oft genug gezeigt. Unvergessen die guten, langsamen Songs wie „Float“ oder „Far away boys“, oder Bretter wie „Selfish man“ und „What´s left on the flag“. Das waren Songs, die unter die Haut gingen. Und da ging es auch nicht  grade um Wiesen voller Sonnenblumen. Naja, nun 2011, schaffen Flogging Molly es tatsächlich ein Album abzuliefern auf dem kein einziges Lied länger als 5 Minuten im Kopf bleibt. Haben die Lieder mal Schwung, ebbt dieser spätestens im Refrain ab. Sind die Lieder ruhig, berühren sie einen nicht, langweilen sogar regelrecht. Der Rest ist weder Fleisch noch Fisch. Gehört und vergessen! Der Finger kreist beständig über der Next-Taste des CD-Players.

Dieses Album macht einfach keinen Spaß. Die Flogging-Molly-Kogge dümpelt im Baggersee der Belanglosigkeit umher. Was haben Flogging Molly in der Vergangenheit an Hits abgeliefert. Meine Fresse! Diese Band hatte so eine unbeschreibliche Energie und so tolle Melodien, dass sich kaum jemand der Band entziehen konnte. Und jetzt? Ein träges, durchweg schwerfälliges Album. Das sind nicht mehr die „Seven drunken pirates“ der Vergangenheit, eventuell noch am Morgen danach. Es herrscht jedenfalls kollektive Katerstimmung. Ganz wenige Lichtblicke wie „Revolution“ oder „Saints&Sinners“ werden kontinuierlich ausgebremst von Balladen wie „So sail on“ oder „The heart of the sea“. Balladen, die nicht kraftvoller sind als Fahrstuhlmusik. Das braucht kein Mensch, selbst nicht wenn es handwerklich gut gemacht ist. Und leider ist „Speed of darkness“ vollgepackt mit dieser Kraftlosigkeit. Mit dieser Trägheit, die einen zweiten Durchlauf schon zur Qual werden lassen. Da hilft auch die immer noch tolle Stimme von Front-Opa Dave King leider nichts mehr. Da helfen auch King´s treffende Texte nichts mehr. Ich erwarte von Flogging Molly entweder eine Riesenfeier oder ein Riesengefühl. Beides bekomme ich hier nicht. Das ist bei einer Band mit diesen Fähigkeiten aber die unterste Verhandlungsbasis. Aus, Ende! Sorry Leute, aber dieses Album ist größtenteils untanzbar, langweilig und ungewohnt durchschnittlich.

Highlights:
– Revolution“ und „Saints&Sinners“ sind wieder richtig gute Songs

Lowlights:
– Alle Balladen sind schwach …
– und dann auch noch so viele …
– Man erwartet einfach etwas viel besseres von Flogging Molly

Fazit:
Langweilig geht die Welt zu Grunde …

Manuel sagt:
(5 von 10 Punkten)
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Manuel

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6 Responses

  1. kKDu sagt:

    Ich habe das jetzt auch 2-3 durch gehört und muss sagen, dass ich mich hier nicht ganz der negativen Meinung anschließen kann (vor allem wenn das Broilers Album noch 7 Punkte bekommt).
    Es ist auf jeden Fall nicht das beste Album, aber ich fand immerhin folgende Lieder hörenswert: Revolution, So Sail On, A Prayer for Me in Silence.
    Und auch von den anderen Balladen waren einige noch ok. Im ganzen reicht es so auch noch zu 7 Punkten.

    • Manuel sagt:

      Der Vergleich zum Broilers-Review finde ich ganz lustig. Ich habe nämlich bei Flogging Molly lange zur 6 tendiert, ebenso bei den Broilers. Ausschlaggebend war am Ende, dass ich selbst die guten FM-Songs nicht so richtig gerne höre, im Gegensatz zu den Broilers, die echt wieder 3-4 Granaten haben. Das hat zur Folge, dass ich das FM-Album warscheinlich nie wieder gezielt hören werde und das gab den Ausschlag zu 5 Pkt. Die Broilers haben noch grade so 7 bekommen, weil ich has Album doch ab und an nochmal höre, eben wegen der Granaten.

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  4. 17. Januar 2012

    […] Dann doch sogar lieber das “Speed of darkness” von den […]

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