Review: Flatfoot 56 – Black thorn

Wenn mich momentan jemand nach der am meisten unterschätzten Band auf diesem Planeten fragen würde, wäre meine Antwort mehr als eindeutig: Flatfoot56! Die Chicagoer Folkpunker um die drei Gebrüder Bawinkel haben schließlich bereits im Jahre 2007 ein großartiges Album mit „Jungle of the midwest sea“ abgeliefert. Eigentlich hätte dieses Meisterwerk meiner Meinung nach schon für einen Durchbruch reichen müssen. Genauso großartig ist auch „Black thorn“ geworden.

Trotzdem ereignete sich vor kurzem folgende Geschichte. Flatfoot 56 zerlegten die Achse ihres alten klapprigen Tourbusses, welcher die Bezeichnung Bus eigentlich kaum mehr verdiente. Totalschaden. Und da Flatfoot 56 keine Sau kennt, und die Jungs keinen Penny auf der hohen Kante haben, riefen sie höflich auf ihrer Homepage die Fangemeinde zur Mithilfe auf. Für einen Dollar oder mehr durfte man die Fortsetzung der Flatfoot56-Tour quer durch Amerika somit unterstützen. Und wohl grade, weil Flatfoot 56 so verdammt großartig sind, hat diese ungewöhnliche Aktion auch funktioniert und ein neuer Bus konnte gekauft werden. Trotzdem eine traurige Geschichte. Hätte ich auf dieser Welt was zu sagen, wären Flatfoot 56 schon ein Fall für MTV Cribs, Lady Gaga würde im Garten die Pferde zureiten und Justin Timberlake würde die Rosen beschneiden. Aber bis dahin werde ich noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.
Na dann mal los …

Ein frischer Orkan weht durch den Folk-Punk-Bereich. Flatfoot56 blasen das angestaubte Genre mit „Black thorn“ mal richtig schön durch. Bereits der Opener und Titelsong „Black thorn“ macht klar, dass es hier ordentlich was auf die Ohren gibt. Eine Portion Celtic-Punk, mit allem drum und dran, und doppelt Randale, zum mitnehmen bitte! Jawoll ja, wenn der Plattfuss loslegt hat die circle pit Überstunden zu schieben. Songs wie „Smoke blower“ und „Stampede“ bringen blaue Flecken und schiefe Nasen. Das ist Musik gewordene Tollwut. Wild, bissig, und vor Spielfreude schäumend. Flatfoot56 schaffen es spielend, Dudelsack, Mandoline, und was weiß der Teufel noch alles, mit in ihren treibenden Folk-Punk einzubauen. Gepaart mit Tobin Bawinkels in Bier und Whiskey gereifter Grummelstimme ist das ganz großer Punk-Sport. Das ist für jeden Folk-Punk-Freund ein wahrer Genuss. Die Jungs können definitiv ne ganze Menge. Selbst wenn die folktypischen Instrumente mal zurückgestellt werden kann die Band wie bei „Courage“ und „You won me over“ vollends überzeugen. Auch langsame Klänge wie bei „Shiny eyes“ stellen für Flatfoot kein Problem dar. Der Platfuss versteht halt sein Handwerk. Ob schnell, langsam, oder sogar mal mit orientalischen Einflüssen wie bei „The hourglass“ … völlig Wumpe. Flatfoot machen aus jeder Gelegenheit ein gutes Lied. Und das sind abzüglich des Intros immerhin 12 Stück. Ohne Übertreibung möchte ich abschließend sagen: Wer an Dropkick Murphys und Flogging Molly auch nur für einen Penny gefallen findet sollte hier, nein muss hier unbedingt reinhören. Und wenn ihr dann vor Freude Pipi in den Augen habt, dann denkt daran, dass die Jungs kein Mensch kennt. Und denkt daran, dass ihr es seid, die ein Stück dazu beitragen können, dies zu ändern. Oder wollt ihr Lady Gaga etwa nicht Pferde einreiten sehen? Also ich irgendwie schon…

Highlights:
– 12 durchweg tolle Songs
– Frischer Wind im Celtic-Punk-Bereich
– absoluter Geheimtipp

Lowlights:
– der Vorgänger „Jungle of the midwest sea“ war noch ein wenig rotziger

Fazit:
Plattfuss räumt auf …

Manuel sagt:
(8 von 10 Punkten)
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Manuel

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1 Response

  1. 15. Mai 2012

    […] die Band immer noch viel zu wenig Leute kennen und dieses Album dem großartzigen Nachfolger Black thorn sogar noch überlegen ist. Grund genug wie ich finde für ein kurzes […]

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