Dysfunktion – Der alte Mann hat Nein gesagt (Review)

Mit einer solch simplen, aber mega eingägigen Melodie wird man selten vom Opener eines Albums begrüßt. Die paar Töne auf’m Keyboard nehmen mich allerdings sofort gefangen. „Lügen“ macht auch in der Folge richtig Laune. Zwar wird hier textlich auf die Ex-Freundin eingedroschen, aber trotzdem bin ich nach diesem Song in bester Stimmung. Da haben Dysfunktion eine echte Granate auf ihrem Album, die ich schon seit Wochen in jeder Playlist habe.

Auch das folgende „2 Meter“ beschäftigt sich mit der Damenwelt, ist aber ein Stück härter und textlich dann doch noch breiter aufgestellt. Da kann man sich das Grinsen einige Male nicht verkneifen. Ein bißchen Depression muss jetzt einfach mal sein, heißt es im Song „Scheißtag“, der allerdings auch gut nach vorn geht mit seiner Schrabbelgittare. Bißchen daneben gehauen haben Dysfunktion beim balladesken „Tristesse“, dass zwar im Refrain ordentlich auf die Tube drückt, aber der ruhige Gesang in den Strophen funktioniert für mich leider nicht. „Blog U(n)ser“ geht dann wieder ironisch und humorvoll zur Sache und nimmt die teils wahnwitzige Aufmerksamkeit auf’s Korn, die (belanglose) Blogs zur zeit bekommen. Es folgt der Song „Heldentat (Der Maikäfersong)“. Im ersten Moment dachte ich: Das hätte auch gut auf die „Bullenstaat“ der Ärzte gepasst. Der Eindruck verfestigt sich dann zwar nicht, aber dieses schön sarkastische Stück macht trotzdem Laune.

Dann ist Schluss mit lustig. „Stimuli“ zieht das Tempo an und wirkt durch die härteren Riffs um einiges düsterer, nicht nur musikalisch, sondern auch textlich. „Normal“ wartet mit einem grandiosen Refrain auf, der den Song über den Durchschnitt wuppt. Bei „Die Wahl“ wird der Punk zurückgefahren und man wildert eher in poppigeren Gefilden. Funktioniert zwar, aber ich bin dann aber doch eher für die ironischen und lustigen Songs zu haben. Zu banal werden Dysfunktion für meinen Geschmack dann allerdings im Song „R.S.F“, der zwar zu 100% in die Kategorie Party/Mitgröhlhymne gehört, aber an dieser Hürde dann leider doch recht krachend scheitert.

Insgesamt ist das Debüt von Dysfunktion äußerst sympathisch und ich hoffe wirklich, dass wir in nächster Zeit noch einiges von dieser Band hören werden, auch wenn nicht alle Songs für mich funktionieren. Dafür ist allerdings gerade der Anfang des Albums richtig gut geworden.

Highlights:
Lügen
2 Meter
Scheißtag

Lowlights:
Tristesse
R.S.F.

Fazit: Solider Deutschrock/Deutschpunk mit zwei wirklich richtig guten Songs.

Christopher sagt: 6p  (6 / 10 Punkte)

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Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

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