Das musste lauter: Linkin Park – Hybrid Theory

Heute gibt es eine Huldigung an den Defibrillator der musikalischen Stilrichtung, die zur Jahrtausendwende so ganz ungeil „Nu Metal“ genannt wurde. Linkin Park aus Los Angeles kamen quasi aus dem Nichts über Nacht und griffen Korn und den Deftones bei den lebenserhaltenden Maßnahmen des angeschlagenen Genres gehörig unter die schwer tätowierten Arme. Klar gab es Nu Metal damals schon einige Jahre und es gab auch allerhand kommerziell erfolgreicher Bands wie die oben genannten, aber die eigentliche „Nu Metal-Erfolgswelle“ kam halt grade durch Bands wie Linkin Park, Limp Bizkit oder auch P.O.D um die Jahrtausendwende richtig ins Rollen. Demnach gilt grade Linkin Parks Debütalbum Hybrid Theory für mich als der Blubb oder auch die extra Portion Milch des Nu Metal.

Der Song One step closer erreichte mich, wie jeden anderen wohl auch, als erstes. Gerocke und Gebrülle, garniert mit nicht peinlich klingenden Rap- und Elektro-Parts. Das war erstmal nichts wirklich innovatives, aber die enorme Qualität der Gesangs- und Rapparts durch Chester Bennington und Mike Shinoda und die daraus entstehende Energie setzte neue Maßstäbe. Linkin Park  waren nach dem Chartseinstieg von One Step closer überall zu hören.

Nach dem überraschenden Erfolg der Single wurde schnell die bereits bestehende EP Hybrid Theory, zur LP Hybrid Theory erweitert und neu veröffentlicht. Dies ist dann der Punkt, wo sich unzählige Nu Metal-Bands bereits wieder in den Untergrund verabschiedeten, weil es einfach nur für einen richtig guten Song reichte und zu der Zeit einfach zu viele neue Bands auf den Zug aufspringen wollten. Persönliche Grüße gehen hier an Spineshank, Powerman 5000 oder auch Taproot, die da auf meiner Opferliste auftauchen. Oh, ich habe Nu Pagadi vergessen …, ah okey das war böse! Bei Linkin Park war das anders! Hybrid Theory überraschte nämlich, nein begeisterte, den Hörer förmlich einem ganzen Sack voll genialer Melodien und frischen Ideen.

Der Linkin Park beinhaltete fortan Monster der übelsten Kategorie. So furchtbar böse, dass sich selbst John Sinclair nicht hineintraute. Diese Monster hörten auf die Namen Crawling, Papercut oder Runaway. Diese Songs kann man auch heute nach gut einem Jahrzehnt bedenkenlos in seine Playlisten einbauen und sie werden garantiert abgefeiert. Nicht zu vergessen eine der fettesten Passagen meiner persönlichen  Musikgeschichte „You try to take the best of me … GO AWAY! aus A place for my head. Einfach grandios! Das zieht mir bis heute noch die Falten aus dem Sack.

Zementiert wurde meine liebe zum Album beim Rock am Ring 2001, wo Linkin Park die geilste Band war, die ich an dem Wochenende sehen durfte. Ich hatte rückblickend selten Angst um mein Leben während eines Konzertes. Hier aber schon. Und ich fand es geil. Die Leute sind zu Linkin Park abgegangen, wie ich es selten erlebt habe. Die Energie von Linkin Park und die beschissenen Sicherheitsvorkehrungen vor der Hauptbühne des Rock am Rings machten den Auftritt zum gefährlichen aber auch unvergessenen Moment. Rocken, Leute aufheben, Rocken, selbst aufgehoben werden, auf Leute treten, wieder hinfallen, Leute treten auf mir rum, aufstehen, weiterrocken … und Chester schreit uns alle gnadenlos in Grund und Boden.

Das war mal ne richtig fette Geschichte. Ja so war das mit Linkin Park früher …

Tja, das ist nun zwölf Jahre her. Die Welt ist im Wandel würde es beim Herr der Ringe wohl heißen …

Denn was aus Linkin Park mittlerweile geworden ist sollte jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich höre die Band seit dem dritten Album am liebsten im Auto, vorausgesetzt der Motor ist lauter.

Linkin Park und ich kommen in den letzten Jahren so gar nicht mehr zusammen. Aber so was passiert halt im Laufe der Jahre. Ich mache da niemanden einen Vorwurf. Wahrscheinlich würde ich für die Kohle, die Linkin Park mittlerweile scheffelt auch mal mit Jay-Z oder Steve Aoki rummachen. Aber das alles soll meine tollen Erinnerungen an Hybrid Theory nicht schmälern.

Am Ende gibt ihnen der enorme Erfolg wohl Recht. Es gibt ja genügend Leute da draußen, die lieber poppen als rocken. Linkin Park wird es grade noch so verkraften können, dass ich ihre neuen Werke nicht mehr höre. Ich sage einfach mal danke für das eine grandiose Album!

 

 

Manuel

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1 Response

  1. Christopher sagt:

    Als ich die das erste Mal damals bei Napster gesehen hatte, hieß die Datei noch „Lincoln Park One Step Closer“ 😀

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