Billy Talent – Afraid Of Heights (Review)

Billy Talent waren mit ihren ersten beiden Alben I + II fester Bestandteil meiner intensivsten Partyphase. Meine Fresse, was haben wir die Songs abgefeiert. Und selbst heute – die richtigen Kollegen vorausgesetzt – fühlt man sich auf mancher Feier noch mal zwölf Jahre zurückversetzt und gröhlt, Arm in Arm, aus voller Kehle „Voices of Violence“ oder „Try Honesty“. Das Problem: Diese Unbekümmertheit und diese nostalgischen Gefühle machen es gerade auch für Billy Talent ungemein schwer, mich zu begeistern. III war nur noch eine Randerscheinung und „Dead Silence“ habe ich mehr oder weniger an mir vorbeirauschen lassen.

Nun also „Afraid Of Height“, das fünfte Album der Kanadier. Und das macht mir erstaunlicherweise wieder richtig Spaß. Der Titeltrack hatte mich angefixt. Schöner Spannungsaufbau, typischer Billy Talent Sound. Und auch die softigluftige augenzwinkernde Rockliebeserklärung  „Louder Than The DJ“ war vorab für mich okay. Vielleicht ist die Zeit einfach mal wieder reif, für eine Billy Talent Breitseite…

Bereits bei den ersten Klänge vom Opener „Big Red Gun“ fühle ich mich wie „zu Hause“. Da weißte sofort: Das sind Billy Talent. Und das ist auch gut so. Bens Stimme, flankiert von Backgroundvocals und dem typischen ikonischen Gitarrensound. Schöner Song. Die echten Highlights des Albums sind für mich die agressiveren und anklagenden Songs. Das wuchtig treibende „Ghost Ship Of Cannibal Rats“ hätte mich auch auf den ersten beiden Alben überzeugt, „The Crutch“ feuert einen echten Gänsehautrefrain ab und auch das einfacher gehaltene „This is is our war“ könnte ohne weiteres zur Hymne werden. Ist halt nicht immer die innovative Überkomplexität, die einen Song funktionieren lässt. Ohrwurmcharakter, spannungsgeladene Hooks und explodierende Refrains sind mir da allemal lieber.

Das schnelle „Time bomb ticking away“ ziemlich gut. Mit dem Rest kann ich mich nicht so recht anfreunden. Das sechsminütige „Rabbit down the hole“ ist mir zu Beginn zu schwergängig, ja fast schon weinerlich. Es breitet sich im Verlauf zu einem passablen klassischen Rocksong unheimlich aus, das hilft aber auch nicht mehr. „Leave them all behind“ klingt ebenfalls nicht rund. Die Synthieklänge auf „Horses & Chariots“ sind zwar mal eine Abwechslung, doch der Song ist einfach lame. Bevor zum Abschluss der Titeltrack noch einmal als mehr oder weniger unnötiger Reprise aufbereitet wird, lässt das komplexere „February Winds“ noch einmal aufhorchen. Das wäre der würdige Abschluss des Albums gewesen.

Wer Billy Talent bis heute die Treue gehalten hat, der wird ohne große Umschweife mit diesem Album zufrieden sein. Aber auch die Veteranen sollten der Platte ruhig mehrere Durchläufe einräumen – ihr werdet den einen oder anderen Song finden, der zündet. Zwar nicht mit der rohen Intensität und der Schreierei(!) von damals – aber ganz ehrlich: Das erwartet ja auch inzwischen niemand ernsthaft mehr (seufz…).

Highlights:
Ghost Ship Of Cannibal Rats
The Crutch
This Is Our War

Lowlights:
Horses & Chariots
Rabbit Down The Hole
Leave Them All Behind

Fazit: Trotz einiger Schwächen immer noch überdurchschnittliches Album.

Christopher sagt: 7p    (7 / 10 Punkte)

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Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

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