Auf Bewährung – Nachtschatten (Review)

Seit Wochen höre ich nun schon das Album „Nachtschatten“ von Auf Bewährung rauf und runter. Bis zum Video des Songs „Stadt der Sünde“ war mir die Band völlig unbekannt. Nun sind sie für mich die Entdeckung dieses Frühjahrs. Was für ein geiles Punkalbum. Was für Hymnen. Was für ein Spaß!

Textlich geht es in den zehn Songs um Liebe und Freundschaft, Toleranz und Respekt, um die aktuelle politische Lage und persönliche Enttäuschungen – thematisch also durchaus erwartbar. Und doch präsentieren sich die Tracks auf „Nachtschatten“erfreulich abwechslungsreich. Und genau so tiefgründig, melodisch stark und rotzig agressiv, wie ich es liebe. Ob anklagend und angriffslustig wie in „Es macht mir Angst“ und „Die Hölle“ oder etwas zurückhaltender wie im wunderbaren „Für den Moment“. Auf Bewährung treffen textlich und musikalisch erstaunlich oft ins Schwarze.

„Kein Grau“ ist die Absage an Kompromisse, „Einfach wach“ DIE Hymne an das Hier und Jetzt und die Zeit mit seiner/m Liebsten – Im krassen Gegensatz dazu steht der Song „Bittersüß“, die wortgewaltige Trauerbewältigung und Rückschau auf eine bereits gescheiterte Beziehung. Das schöne: Selbst die Songs mit dem Thema Liebe kommen mit ordentlich Power daher und sind straightforward auf die zwölf und driften zu keiner Zeit in schnulzige Trällersongs ab.

Lückenfüller sucht man auf diesem Album vergebens. Ausnahmslos jeder Song hat seine Daseinsberechtigung – mal abgesehen vielleicht vom zweiminütigen Intro. Aber das soll an dieser Stelle keine Rolle spielen. Viel wichtiger ist, dass man sich in der Mehrheit der Lieder emotional wiederfindet und vieles Nachempfinden kann. Trotz aller Widrigkeiten, Kampfansagen und Frustrationen lässt das Album auch genügend Raum für die positiven Dinge des Lebens, wie Solidarität und Freundschaft. Ich freu mich jetzt schon wie Bolle auf das nächste Konzert, wo ich Arm in Arm mit meinen besten Kumpels vor der Bühne stehe, das Bier in die Höhe halte, und wir gemeinsam aus voller Kehle gröhlen: „Und so tanzen wir, in feuchten Kellern, dunklen Clubs – Als ob’s kein Morgen gäb, für den Moment geht es uns gut!“

Wer also traurig darüber ist, dass Die Toten Hosen, Die Ärzte und meinetwegen auch Bands wie die Broilers nicht mehr die Wucht früherer Tage haben, dem sei das aktuelle Auf Bewährung Album wirklich wärmstens ans Herz gelegt. Scharfzüngige Texte eingebettet in grandiose Punkrockmelodien – Was will man bitte mehr?!

Highlights:
Es macht mir Angst
Zehn Schwerter
Kein Grau
Für den Moment
Die Hölle
Bittersüß

Lowlights:

Fazit: Astreiner facettenreicher Punkrock.

Christopher sagt: 9p    (9 / 10 Punkte)

Die Leser sagen: 1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars6 Stars7 Stars8 Stars9 Stars10 Stars (2 votes, average: 10,00 out of 10)

Loading...

Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

1 Response

  1. 25. Oktober 2016

    […] Funke springt einfach nicht richtig über Das war zuletzt bei anderen Bands, wie z.B. bei Auf Bewährung, ganz anders. Im Booklet kann man detailliert nachlesen, dass einige Songs schon viele Jahre auf […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.