Album Review: The Prosecution – Words With Destiny

„Ska-Punk ist (…) gerade die so ziemlich unhipste Musik, die es gerade so gibt“, so kürzlich eine schonungslose Interview-Einleitung eines öffentlich-rechtlichen TV-Senders mit The Prosecution. Der Punkrock mit Bläsern, mit dem Reel Big Fish, Ska-P, Talco, Tequila And The Sunrise Gang oder Less Than Jake seit Jahren (Jahrzehnten) die Konzerthütten in schöner Regelmäßigkeit komplett abreißen, ist mal wieder total am Boden. Alles schon gehört, alles schon gesehen und so. Schade für die großartigen Bands. Viel trauriger aber für jene, die diese Musik nicht als das erleben können, was sie ist: Der Wahnsinn!

Mit ihrem dritten Longplayer versuchen The Prosecution an den Erfolg des letzten Albums „The Edge Of The End“ anzuknüpfen. Und um’s kurz machen: „Words with destiny“ ist ein echter Kracher. Schon allein der Einstieg ist famos. Mit kraftvoller Unterstützung von Chris#2 (Bassist von Anti-Flag) prangert „A New Sensation“ die Hatz nach der nächsten lautesten und schrillsten Headline der (Boulevard-)Presse an. Melodiöser, kraftvoller und agressiver Einstieg. Mit Bläsern. Of Course!

Mit „The Last Shot“, „Words Of Peace“ und „Liars“ folgen drei weitere starke Songs, die ordentlich Alarm machen. Musikalisch wird dabei noch in die gleiche agressive Kerbe gehauen wie beim Opener. Die Songs würden auch anderen Punkrockern (Hallo Anti-Flag, hallo Rise Against) gut zu Gesicht stehen. Vielleicht sollten die wirklich den Vorschlag des Ox-Magazins weiterführen und sich einfach mal Bläser auf die Bühne stellen …

Abwechslung statt Einheitsbrei-Geknüppel

Bei „Broken Wings“ wird die Band unterstützt von Pia Zeitzler, mit deren markanten, tiefen Stimme und dem Bruch im Song ich mich erst anfreunden musste. Nach einigen Durchgängen funktioniert dieser, den Tod thematisierende Song, allerdings tatsächlich wunderbar. Wer weniger auf den „core“-Anteil der Ska-Punker aus der bayerischen Provinz steht und es gechillter mag, wird sich über „The Big Bad White“ freuen. Ein richtiges Reggae-Offbeat-Highlight. Ich musste zeitweise an NOFX denken. Der Song hat auf jedenfall das Potential zum Kulthit.

Ebenso großartig und nicht bloß mit dem Holzhammer umgesetzt: „King Mammon’s returning“, die Anklage gegen jene da oben, die ohne Rücksicht auf Verluste immer mehr und mehr Macht und Kohle zusammenraffen. Auch „Midnight Summer Storm“ mit den gerappten Strophen bringt Abwechslung rein. „Two Hearts In One Chest“ (this-is-not-a-fucking-love-song) versucht ebenfalls, eine Nuancierung reinzubringen. Der ruhige Einstieg mit den Bläsern breitet sich über die Dauer zwar unheimlich aus, kann mich allerdings nicht überzeugen.

Politpunkrock á la Anti-Flag

Mit „Daily Death“ und „Shots & Sirens“ sind noch zwei weitere Songs auf dem Album, die mit aller Macht aus den Boxen knallen. Wütender und ungezügelter Punkrock: Ein lautes, reinigendes Song-Gewitter, das auf den Hörer einprasselt und eindringlich gegen Ungerechtigkeit und Ignoranz Stellung bezieht. Überhaupt arbeiten die Jungs auf diesem Album noch weit mehr gesellschaftliche Themen als auf ihrem letzten Longplayer ab und das steht ihnen wirklich gut. Trotz dieser ernsten Themen, macht dieses Album jedoch an jeder Stelle unheimlich Spaß. Auch das muss man dann erst mal hinbekommen.

Insgesamt ein wirklich starkes Album einer Band, die sich nach weit mehr als zehn Jahren Bandgeschichte mit dem zweiten großartigen Album in Folge nun als echtes Schwergewicht etabliert. Die Wiederbelebung des Punkrock mit Bläsern (wenn der überhaupt jemals tot war)!

Highlights:
King Mammon’s Returning
A New Sensation
The Big Bad White

Lowlights:
Two Hearts, One Chest

Fazit:
Die Wiederbelebung des Punkrock mit Bläsern.

Christopher sagt: 9p  (9 / 10 Punkte)

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Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

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