Review: Talco – La Cretina Commedia

Patchanka ist nicht etwa ein alkoholisches Getränk oder ein mexikanischer Wrestler. Patchanka nennen Talco ihren eigenen Musikstil aus traditioneller italienischer Volksmusik und modernen Balkan-Beats, dieser wird verpackt in schnellen Ska-Punk, das ist Talco. Patchanka und Ska war bisher auch die Erfolgsformel der Italiener. Man verstand zwar kein Wort, aber hey, das war mal so dermaßen egal. Wer will schon wissen was der Typ singt wenn man sich den Arsch abtanzt? Beim neuen Album „La Cretina Commedia“ gibt’s nun noch mehr Patchanka, aber weniger straighten, tanzbaren Ska. So finde ich Talco leider nicht  so stark.

Meine Fresse was habe ich getanzt zu Stücken wie „Tortuga“, „Bella ciao“ oder „La carovana“, allesamt vertreten auf dem 2007er Album „Combat circus“. Talco spielte sich damals in windeseile in meine Beine. Das war einfach nur Gute Laune in Form von italienischem Ska-Punk. Tanzbar, schnörkellos, schnell. Beim neuen Album „La Cretina Commedia“ suche ich nach diesen Hits fast vergeblich. Einzig „Punta Raisi“ könnte diese Reihe an Partykrachern fortführen. So ganz sicher bin ich mir aber selbst beim mit Abstand besten Lied des Albums nicht.

Talco lassen leider ein wenig Druck vom Patchanka-Ska-Kessel ab und schieben vermehrt akkustische Stücke ein. Beispielsweise die ruhigen „Ultima eta“, sogar mit weiblicher Unterstützung , oder „Casa memoria“. Das sind akkustische, langsame italienische Balladen. Nicht wirklich schlecht, versteht mich nicht falsch, aber von Talco will ich das nicht hören. Wir sind hier ja nicht zu Gast bei Albano und Romina Power, oder was?

Ne, Talco mag ich lieber schnell und spaßig wie bei „Al Carneval“ oder „La parabola dei battagghi“. Aber so richtig im Kopf bleiben selbst diese beiden besseren Stücke nicht. Talco schaffen es auf diesem Album nicht diese Melodien zu erzeugen, die einem noch wochenlang im Gedächtnis bleiben. Das Album ist recht spaßig, aber nach einer Viertelstunde weiß man gar nicht mehr was man da überhaupt im Einelnen gehört hat.

Das liegt natürlich an der italienischen Sprache. Dadurch, dass die Songs nicht so richtig reißen konzentriert man sich natürlich in erster Linie auf den Gesang. Tja, und wer da kein italiensich kann steht doof da. Dadurch geraten die Songs leider schnell in Vergessenheit.

„La Cretina Commedia“ ist ein Album welches man getrost auf Feiern mal anspielen kann, denn Talco machen meistens Laune und schieben die Mundwinkel nach oben. So 2-3 Songs dürfen es da gerne sein. Für den heimischen CD-Player auf Rotation ist das aber nix für mich. Nix fühlen, nix verstehen, nix für zu Hause.

Highlights:
Punta Raisi
Schon noch einiges vom typischen Talco-Sound

Lowlights:
Talco sollte keine Balladen machen
Krachersongs fehlen komplett

Fazit:
Nach der „Squaddra Azzurra“ enttäuschen auch Talco im Jahre 2010.

Manuel sagt:
(6 von 10 Punkten)
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Manuel

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1 Response

  1. Alex sagt:

    Schon erstaunlich wie viele meiner Lieblingsbands auf eurer Seite vertreten sind 😉
    Muss leider zustimmen, dieses Album von Talco hat mich jetzt auch nicht vom Stuhl gehauen – vor allem nicht, wenn man die „alten“ Alben von Talco kennt.
    Höre diese Band schon seit einigen Jahren (habe sie auf jamendo entdeckt) und finde, dass sie insgesamt auf ihren neuren Alben ruhigere Töne anschlagen. Besonders auf „Tutti Assolti“ (ihr erstes Album und auch das Album, durch das ich auf sie aufmerksam geworden bin) sind die Songs noch um einiges impulsiver. Auch auf „Combat Circus“ sind noch viele, schnelle und tanzbare Lieder. Aber schon auf „Mazel Tov“ (bisher das Album, das mir am wenigsten zugesagt hat) sind viele Songs schon langsamer und „trauriger“. Und irgendwie schien sich das leider auch bei „La Cretina Commedia“ fortgesetzt zu haben.
    Trotzdem bin ich nach wie vor von der Band begeistert, vor allem, dass sie so schnell bekannt wurde und letztes Jahr z.B. auch auf dem Taubertal-Festival gespielt hat ist faszinierend. In meinem Freundeskreis hören mittlerweile einige Leute Talco, auch immer wieder interessant.
    Ach ja, zum Thema Verstehen: Auf ihrer Seite haben Talco übrigends alle Lyrics auch auf Englisch veröffentlicht, ganz praktisch 😉

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