Review: Talco – 10 Years

talco-small

Es gibt so Situationen, da möchte man sich einfach nur gehörig selber in den Arsch beißen. Ihr kennt das. Mir geht das gerade mal wieder so. TALCO haben bei mir zumeist ein Schattendasein hinter z.B. Ska-P geführt. Zwar schaffte es hin und wieder mal ein Song in eine Playlist (Bella Ciao, Punta Raisi…), aber wenn schon Ska aus Südeuropa, dann waren es doch meist die Spanier. Und die Italiener hatten das Nachsehen. Völlig unverdient, wie ich nun feststelle. Dickes „Sorry“ von meiner Seite. Diese Band hat ganz einfach mehr verdient, als nur die zweite Geige…

Fünf Alben hat die Punkband aus Venedig bisher veröffentlicht. Das erste Album „Tutti Assolti“ erschien bereits 2004. Diesen Umstand nehmen sie nun zum Anlass, ihr Live-Jubiläumsalbum namens „10 Years – Live in Iruna“ zu veröffentlichen. Und das fetzt richtig. Direkt nach dem Intro geht die Party ab. Ein Ska-Gewitter aller erster Kajüte bricht mit dem Song „L’Odore Della Morte“ über den Hörer herein. Da will man selbst im heimischen Wohnzimmer komplett ausrasten, den Tisch beiseite schmeißen und ordentlich abgehen. Was ein Start! Schon jetzt dürfte es eigentlich jeden Hörer bereits gepackt haben. Spätestens beim nächsten Song,  „Punta Raisi“, ist es aber garantiert auch um den letzten Ska-Skeptiker geschehen. Hach, was für eine Melodie, was ein Spaß, was für eine Energie! Eskalieren ist angesagt!

Und so geht es weiter. Verschnaufen ist nicht drin. Mit „Tarantella dell‘ ultimo bandito“ wird man sofort wieder weggeblasen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Überhaupt machen die Bläser machen über die ganze CD eine verdammt gute Figur. Treiben an, geben den Takt vor und sind schlicht und einfach das Korsett dieser Band. Nahezu jeder Song wird angefeuert von Trompete und Saxophon. Wo andere Bands verschnaufen, legen TALCO und ihre Fans immer noch eine Schippe drauf. Ich weiß gar nicht, welche Songs ich noch rausheben soll: Egal ob „La Carovana“, „Teleternita“, „A la Patchanka“ oder „Danza dell‘ autunno rosa“, beinahe jeder Song vermittelt hier eine ungeheure Spielfreude und Hingabe. Die Live-Atmosphäre tut natürlich ihr übriges zum Gesamteindruck. Hier wurde nämlich endlich mal drauf geachtet, dass der Sound dann auch tatsächlich richtig gut eingefangen wird. Echt top.

Natürlich dürfen auch die allseits bekannten Highlights „St. Pauli“„Tortuga“, „Bella Ciao“ und zum Abchluss „La torre“ bei dieser 70 minütigen Ska-Granate nicht fehlen. Sie machen dieses Live-Album endgültig rund und lassen mich als Hörer total durchgeschüttelt, aber seelig und fröhlich zurück. Und schwupps ertappe ich mich dabei, nach den Tourdaten von TALCO zu schauen. Denn das mit eigenen Augen und Ohren live mitzuerleben, liebe Leute, lasse ich mir sicher nicht noch länger entgehen!

Highlights:
Pick a song!

Lowlights:
Sucht man hier vergebens, ach wartet, da ist doch was:
Ich verstehe fast kein Wort 😉

Fazit:
Mehr Patchanka-Ska-Power geht einfach nicht! Wirklich ein grandioses Live-Album.

Christopher sagt: 9p  (9 / 10 Punkte)

Die Leser sagen: 1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars6 Stars7 Stars8 Stars9 Stars10 Stars (6 votes, average: 9,00 out of 10)

Loading...

Video:

 

Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

2 Responses

  1. 29. Oktober 2015

    […] einen kleinen Tick ruhiger und aufgeräumter als die Tracks, die ich auf der Ten Years am meisten abgefeiert habe, aber trotzdem geht der Song ordentlich steil und weiß selbstredend zu […]

  2. 21. Dezember 2015

    […] „“Gran Galá“ aus dem Jahre 2011 und der Jubiläumsveröffentlichung „10 Years – Live in Iruna“ steht nun Silent Town in den Läden. Und ich bin entzückt. Der inzwischen sechste […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.