Review: North Alone – Cure & Disease

Ich bin einigermaßen geplättet. Eigentlich war ich inzwischen ziemlich durch mit Folkpunk. Doch bereits mit dem Opener und Titeltrack des Albums „Cure & Disease“ hat North Alone mich gepackt. Sänger Manuel Sieg schafft es, mit seiner Zigaretten-und-Whiskey-geschwängerten Stimme eine mindestens ebenso große Präsenz aufzubauen, wie Genre-König Chuck Ragan. Der Vergleich drängt sich (leider) auf, denn neben der wirklich krassen Stimme wird gekonnt gefidelt und musikalisch ist das dann halt auch nicht weit weg. Dass das Album Cover im Grunde dann auch noch genauso aussieht wie das „Live at Skater’s Palace“, verstärkt den Eindruck natürlich noch mal.

Doch das hier ist eben nicht bloß eine deutsche Kopie: Die Songs gehen mehr nach vorne als z.B. Chucks letztes Werk „Till Midnight“. „Cure & Disease“ ist druckvoll und intensiv. Und genau so mag ich das. Weit weg vom lahmen Singer-Songwriter Folkpunk, wie es ihn seit Jahren an jeder Ecke zu hauf zu hören gibt.

Gelungener Einstieg

Los geht’s mit dem Titeltrack „Cure & Disease“ – ein Song über eine unerfüllte / verhängnisvolle Liebe. Und schon hier zahlt sich aus, dass der Track eben nicht lahmarschig und getragen daherkommt. Es geht beschwingt zur Sache, wenn man mal die ersten Sekunden ausser Acht lässt, in denen die Geige den Song beginnt. Schöner Einstieg ins Album. „The Last Inch“ schlägt in die gleiche Kerbe. Unheimlich melancholisch, aber eben nicht langweilig.

Eigentlich kann ich klagende Laute, wie die Geige bei „Black Water“ nur schwer ertragen. Doch Manuels Gesang legt sich so breit über diese Töne, dass selbst dieser melancholische Song super funktioniert. Und bevor es zu traurig klingt wird gleich im nächsten Song „Some Other day“ wird das Tempo direkt wieder angezogen und man kann nur schwer auf dem Sofa sitzen bleiben.

Es wird noch besser

Wo ich nach dieser ersten knappen Viertelstunde schon dachte, „nicht schlecht!“, geht es jetzt erst richtig los: „Scatter My Ashes Into The Sea“ und „Hydrogene Peroxide“ sind absolute Hightlight Songs und vermutlich bei mir auf Monate hinaus gesetzt. In ersterem wird der Umgang mit dem eigenen Tod thematisiert, im zweiten der von nahestehenden Menschen. Beide Songs haben unglaublich intensive Refrains und die Spannungsbögen der Strophen funktionieren nahezu perfekt. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass beide Songs als Uptempo-Nummern durchgehen. Da freue ich mir, trotz des ernsten Themas, wirklich meinen dicken Arsch ab!

Weiteres absolutes Highlight für mich: „Old Dog Barking“ – Eine Abrechnung mit Klischees, der Gratisdownload-Mentalität und dem Musikbusiness im Allgemeinen. Augenzwinkernd und doch voll auf die Zwölf.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten

„Missing Heart Shadow“ klingt ein wenig zu gewöhnlich und das intimere „Greetings From Someone Else“ bietet Zeit zum Luft holen nach diesen famosen ersten Songs. Es folgt „Inscription“ und der Song ist einfach irritierend. Du denkst, du hörst einen der mitreissendsten und fröhlichsten Songs des Albums und wenn du dann hinhörst, ist es in Wahrheit der traurigste von allen. Schade, dass er bei mir nicht so richtig gezündet hat.

Sicherlich könnte man auch sagen, dass das alles hier nicht besonders innovativ ist. Dass alle Klischees abgearbeitet werden und auf dem Album ziemlich dick aufgetragen wird. Mag stimmen. Ist mir aber egal. Denn: Die Musik von North Alone macht einfach Spaß. Da steck ordentlich Energie drin und so soll es schließlich auch sein!

Mit „The Road Most Traveled“ gibt es dann als Rausschmeißer noch ein gelungenes Midtempo Folk-Kleinod. Auch wieder etwas melancholisch, aber mit wahren Worten zum Schluss: „…There was a time when punk was more than just a four letter word, more than a cheap ramones print on an even cheaper shirt…“

Highlights:
Hydrogen Peroxide
Old Dog Barking
Scatter My Ashes Into The Sea

Lowlights:
Missing Heart Shadow

Fazit:
Um’s auf den Punkt zu bringen: Ganz einfach ein richtig gutes Folk-Punk Album!

Christopher sagt: 8p  (8 / 10 Punkte)

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Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

1 Response

  1. 30. Oktober 2016

    […] Nach dem wunderbaren Album „Cure & Disease“ aus dem letzten Jahr (Review gibts hier) gibt es nun mit der 6-Track EP „Rare & Short“ den nächsten Output zu […]

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