Anti-Flag – American Fall (review)

Anti-Flag liefern in schöner Regelmäßigkeit eine wunderbare Kombination aus tollen Melodien, wütenden Texten und ungezügeltem Punkrock ab. Mit unzähligen Hits seit ihrem Debütalbum „Die For The Government“ aus dem Jahre 1996 haben sich die Jungs einen besonderen Platz in meinem Herz erspielt. Nun liegt mit „American Fall“ der bereits zehnte Longplayer vor. Auch dieser hat wieder einige gelungene Songs zu bieten. Doch anfangs ließ mich der Nachfolger vom durchwachsenen „American Spring“ leicht irritiert zurück.

Textlich wird auf American Fall wieder richtig fett abgeliefert. Rassismus, Populismus, Frustration, Apathie, Occupy-Bewegung – das sind nur einige der wichtigen Themen, die wieder mit Nachdruck behandelt werden. Da haben die Jungs um Justin Sane wieder richtig Bock gehabt, in Zeiten von Trump und der Neuen Rechten ja auch kein Wunder. Das Problem: Das Soundgewand einiger Songs gefällt mir nicht. Ob’s an Co-Produzent Benji Madden (Good Charlotte) liegt? Der Einstieg mit „American Attraction“ war für mich auf jeden Fall zu viel Alternative Rock. So richtig nach Anti-Flag klingt das nicht, aber immerhin gewinnt der Song mit der Zeit. Das gelingt dem frappierend an Poppunkbands erinnernden“Casualty“ nicht. Die sonst so starken Refrains funktionieren auf American Fall mitunter nur teilweise. Tiefpunkt ist der „If they come for you in the night, they will come for me in the morning“ Refrain des textlich düsteren, ansonsten aber ganz schmissigen, ska-infizierten und an Rancid erinnernden „When The Wall Falls“. Hoffnungsschimmer: Bei Konzerten kommt das womöglich doch ziemlich gut. Das langgezogene „Trooouuuuble“ des munteren „Trouble Follows Me“ ist aber echt too much. Das macht mir den Song leider kaputt.

Richtig auf die Zwölf gibt’s zur Mitte des Albums beim anklagenden „Liar“. Da wird die Punkkeule geschwungen. Den typischen Anti-ßag Style liefert die Band auch mit „The Criminals“ ab. Wie drüben beim Bierschinken so treffend formuliert, gibt es ab 1:30 Min. einen der stärksten Momente des Albums. ähnlich stellt es sich mit den punkigen „Racists“ und „I Came. I Saw.“ dar. Richtig gut, die kannste bedenkenlos in deine Playlist reinfeuern. Auf das aggressive und schwere „Digital Blackout“ muss man sich schon mehr einlassen wollen. Ich find’s aber geil. Bleibt noch „Throw It Away“, das sich relativ unauffällig irgendwo zwischen Alternative und Punkrock einpendelt und zusammen mit dem bereits erwähnten „Casualty“ das Ende des American Falls einläutet.

Highlights
The Criminals
Digital Blackout
I Came. I Saw.

Lowlights
Casualty

Fazit
Gibt man „American Fall“ die nötige Zeit, entfaltet sich zwischen Alternative, Easy Listening Punk und sattem Punkrock ein schöner Herbst 😉

Christopher sagt:  (7 / 10 Punkte)

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Christopher

Christopher mag Punkrock. Der darf auch gerne irische Wurzeln oder Trompeten haben. Auch Reibeisenstimmen sind super. Hin und wieder gehen sogar Elektro- und Alternative-Spielereien. Hauptsache irgendwo versteckt sich noch eine Melodie und es wird nicht bloß rumgebrüllt.

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