Review: King Cannons – The brightest light
Das war es also schon! Der erste Durchlauf des Debütalbums der King Cannons ist beendet. Mein Gesichtsausdruck ähnelt der einer weidenden Kuh, die hinter ihrem Elektrozaun stehend von Jugendlichen lauthals angemuht wird. Ihr kennt diesen nichts sagenden, leicht doofen Gesichtsausdruck. Ein wenig verwirrt, ein wenig genervt. Schätze ich zumindest…
Ich schaue jedenfalls ein paar Minuten genauso nachdem ich mit The brightest light das erste Mal fertig bin. Ich bin verwirrt, ich bin enttäuscht und fühle mich als hätte ich mich selber verarscht. Was hatte ich denn bitte schön erwartet? Eine Reflektion meiner eigenen Gedanken bringt mich zum Ergebnis: Mehr The Clash und weniger Bruce Springsteen. Davon war ich nach der ziemlich guten EP irgendwie ausgegangen. Wie auch immer ich zu diesem Rückschluss kam, ich sollte falsch liegen. Fakt ist, die Cannons orientieren sich unüberhörbar an Bruce Springsteen und Neil Young und lassen den Punk-Spirit von The Clash größtenteils außen vor.
Das heißt natürlich nicht, dass das Album nicht trotzdem gut ist. Die erste Enttäuschung ist relativ schnell verflogen. Das Album braucht einfach seine Zeit, und wenn man ihm diese einräumt bekommt man ein echt nettes Stückchen Rock n´ fuckin´ Roll vorgesetzt.
Denn nach ein paar Durchläufen fällt mir auf, dass ich neben dem Monster-Song Take the Rock, auch an Call for help richtig gefallen finde. Wenn ich alle meine Erwartungen ausblende bleibt hier ein Feuerwerk aus verschiedensten Percussion-Instrumenten, eingebettet in erdigen, hundertzehnprozentig authentischen Rock n´Roll. Den Song könnte man auch zum lustigen Instrumente raten im Musikunterricht verwenden. Das klingt richtig gut und bleibt ziemlich lange im Kopf hängen.
Shot to kill geht auch nach einer gewissen Anlaufzeit recht gut ab und begeistert mit einer gehörigen Portion Energie und passendem Pianoeinsatz. Damit sind die drei Hits des Albums aber dann auch schon genannt. Der Rest an Songs ist fast immer gut aber nie wirklich großartig.
Der Rock n´Roll der wilden 60er grüsst in jedem Akkord und Sänger Luke Yeoward klingt wie der Bruce Springsteen des Jahres 2012. Der spirit of the 60s ist allgegenwärtig. Die Gitarre im Anschlag und den Kamm in der Hosentasche machen sich die Cannons auf die Welt zu verbessern. Gelingt aber zumindest musikalisch nicht immer, denn grade Charlie O nervt mich völlig ab und auch der Opener Stand right up langweilt mich zu Tode. Je mehr die King Cannons in den traditionellen 60er Rock n´ Roll-Bereich gehen, desto weniger mag ich sie. Klares Zeichen dafür, dass das nicht unbedingt meine Lieblingsmusik ist. Mir fehlt einfach ein leichter Punkrock-Einschlag an jeder Ecke des Albums.
Ich kann einfach nicht aufhören daran zu denken, wie die King Cannons wohl mit mehr Clash als Springsteen klingen würden. Mir fehlen auf diesem Album einfach noch zwei oder drei Songs die ein wenig mehr ausm Arsch kommen und mir in den selbigen treten. Ein Song wie Teenage dreams von der EP zum Beispiel. Dieser hat es leider nicht aufs Album geschafft im Gegensatz zu Take the Rock. Wirklich schade, denn der hätte dem Album wahrlich gut getan meiner Meinung nach.
Und je länger ich über all dies nachdenke, desto mehr schaue ich wieder wie diese Kuh hinter ihrem Elektrozaun. Die King Cannons muhen mich an, aber ich muhe nicht zurück, denn ich bin immer noch verwirrt, genervt und ein kleines bisschen Enttäuscht. Hier hätte einfach etwas (noch) größeres entstehen können. Ich hatte mich doch so auf das Album gefreut …
Highlights:
Take the Rock
Call for help
Shot to kill
Lowlights:
Dürfte erheblich mehr Bumms vertragen
Fazit:
King Cannons werden ihren Weg gehen. Ich gehe mit und hoffe auf mehr Clash in Zukunft.
Manuel sagt:
(7 von 10 Punkten)
Die Leser sagen:
Service (Youtube-Videos):
Shot to kill







(3 votes, average: 8,33 out of 10)
Komisch, hab ganz andere Higlights auf dem Album für mich entdeckt: The brightest light, Ride again, On our own, Everyman’s Tale und The last post laufen derzeit neben Shot to kill bei mir hoch und runter. 8/10 mit Potential nach oben!
Dann lass uns erst einmal einig sein, dass Stand right up und Charlie O nicht die Highlights des Albums sind
… mag echt sein, dass das Album noch ein paar mehr Durchläufe braucht. Schaun mer mal …