Review: Pennywise – All Or Nothing
Wenn eine Band den Sänger verliert, ist das ja ein ziemlicher Schlag ins Kontor. Wenn Pennywise nach 20 Jahren den Sänger verlieren, ist es das Ende. Habe ich zumindest gedacht, als ich irgendwann mal gelesen hatte, dass Frontmann Lindberg der Band den Rücken kehrt und künftig statt Bro Hymn Tribute zu schmettern, lieber was neues machen möchte. Und als ich dann die ersten Töne des nun vorliegenden Albums von Pennywise hörte, fühlte ich mich bestätigt. Das war irgendwie Käse.
Und dann schrieb ein Bekannter beim Full-Album-Prelistening auf kroq.radio.com plötzlich “Yeeehaaa!! Schessel kann kommen.
” (Zusatz-Info: Pennywise spielen beim Hurricane Festival in Scheeßel) auf die Facebook-Timeline und ich wurde neugierig. Sollte es tatsächlich möglich sein, dass die Band weiterhin geile Mucke macht? Kraftvollen Punkrock, der den Frontmannwechsel gut verkraft hat oder ihn sogar vergessen lässt? Hm, was soll ich sagen: Das Album ist geil! Nicht leider geil. Sondern einfach geil.
Stilecht beginnt das Album mit der Textzeile “What’s the fuckin’ problem with this world today”. Der Opener All Or Nothing hat alles, was ein echter Melodic-Punkrock-Song haben muss: Treibende Gitarren, fette Drums, eingängige Lyrics und das alles in rasanter Geschwindigkeit. Herrlich, wie in alten Zeiten! Waste Another Day schlägt in die gleiche Kerbe und brennt ebenfalls ein echtes Feuerwerk ab. Sämtliche Zweifel, ob die Band einen Sängerwechsel verkraften kann, sind nach diesen ersten Minuten schlagartig entkräftet. Mit Revolution folgt ein weiteres Brett. Bißchen mehr Singalong und etwas mehr Eingägigkeit über dem Soundgewitter und fertig ist der Bomb-song, nach dem jede Band lechzt. Also ehrlich, an diesen ersten Songs gibt’s nicht zu kritteln. Großer Sport!
Stand Strong und Let Us Hear Your Voice spielen ebenfalls in der ersten Liga. Letzteres wird mit Sicherheit mal zu einer Hymne auf den Konzerten werden. Vielleicht ist es anfangs aber einen Tick zu “nett”. Insgesamt wird der Song aber so sympathisch runtergeknüppelt, das man sich wohlig nach einem Moshpit sehnt. Seeing Red schrabbelt sich danach wieder etwas rauer durch die drei Minuten Laufzeit, legt dabei geschwindigkeitstechnisch noch eine Schippe drauf und wird einem gegen Ende geradezu aus den Boxen entgegengeschleudert. Songs Of Sorrow beginnt dann verhaltener und es beschleicht mich fast eine düster anmutende Grundstimmung. Schöner Konstrast. Dann wird das Tempo auch schon wieder angehoben, ordentlich losgeknüppelt und es geht in gewohnten Bahnen weiter, wobei hier ganz schön mit den Lyrics gespielt wird. Zur Hälfte des Albums kann man jetzt also schon mal festhalten, dass das bewährte Pennywise-Konzept hier schön abwechslungsreich und melodiös stark dargeboten wird und der Sängerwechsel sogar positive Auswirkungen hat.
Auch bei den weiteren Songs stehen schrubbeln, schreddern, draufkloppen wunderbar im Einklang mit melodiösen Parts und eingängigen Lyrics. Das gilt sowohl für X Generation, wie auch für All Along oder Tomorrow. Zwischenzeitlich fühlt man sich auch mal an die früheren The Offspring erinnert (ja Kinder, die haben auch mal gute Musik gemacht). Mal sehen, ob die es diesen Sommer auch zu einem solch guten Album bringen werden. Drauf wetten würde ich nicht. Aber zurück zu Pennywise.
“Oooooooh yeeeaaaaah, we have it all right now” … Hier war ich tatsächlich etwas irritiert. Das ist mir zu viel triefendes Sing-A-Long. Aber gut, kann passieren und ansonsten ist der Song We Have It All ja auch gar nicht mal schlecht. Aber dieser Refrain. Muss man mögen. Oder auch nicht. Mein Ding ist es nicht so.
Mit United wird das Album würdig abgeschlossen, “united we’ll find a way” heißt es dort. Mit dem Ignite-Frontmann Zoli Teglas ist Pennywise das auf beeindruckende Weise gelungen. Erstaunlich, dass der Sängerwechsel so gut geklappt hat, Pennywise auch jetzt noch wie Pennywise klingen und ein Album rausgebracht haben, dass sich durchaus mit Werken wie “Full Circle” und “About Time” messen kann.
Highlights:
- Hit auf Hit, vor allem zu Beginn
- All Or Nothing
- Revolution
Lowlights:
- An einigen Stellen etwas zu eingängig
Service:
Revolution, All Or Nothing
Fazit:
Großartiges Album.







Schön, dass ihr die Band wiederentdeckt habt. Da habe ich mir das Album doch auch gleich angehört. Klingt echt wieder richtig gut nach den ersten Durchgängen. Let us hear your voice ist für mich bisher der Titel des Albums. Guter Text und musikalisch voll auf die zwölf. Das wird eines meiner besten Lieder für 2012.