Konzertbericht: Compulsive Gambling – Alles Gold…oder was!?
Herzlichen Glückwunsch…es ist ein Album. Da so ein Erstling natürlich gebührend gefeiert werden will, lud die Hamburger Rockband Compulsive Gambling zu einem zünftigen Release-Konzert ein. Und weil der Name der Platte, „In Gold We Trust“, eine nicht allzu knauserige Anspruchshaltung erkennen lässt, suchte sich die Band als Location das altehrwürdige Thomas Read an der Reeperbahn aus.
Ich muss es an dieser Stelle gestehen: Obwohl ein-zwei meiner Freunde nicht müde werden, die Band wärmstens zu empfehlen, habe ich mir die bisherigen Erzeugnisse der „Zwanghaften Zocker“ bisher eher beiläufig zu Gemüte geführt. So gesehen gehe ich annähernd unbelastet ins Konzert, was aber auch irgendwie nicht schaden kann. Angesichts des Albumtitels kann ich eine gewisse Erwartungshaltung aber nicht leugnen. „In Gold We Trust“ hat ja auch schon ziemlich was von „dicke Lippe“. Mehr als rechtzeitig erscheine ich im Thomas Read. Jense, seines Zeichens Gitarrist, Merchandise-Koordinator, Songwriter und Mädchen-für-Alles, begrüßt die Gäste noch persönlich. Er scheint sich nicht ganz sicher zu sein, ob er im Kreis grinsen oder nervös von einem Bein aufs andere trippeln soll. Er entscheidet sich für einen merkwürdigen Kompromiss und drückt mir einen Flyer in die Hand. „Alternative Rock Hamburg“ ist da unter dem Bandnamen zu lesen. Alternative Rock sagt mir leider nichts Echtes. Das ist so ein bisschen wie Tiefkühlpizza, kann alles drin sein und von „Pfuibäh“ bis „große Köstlichkeit“ ist jede Qualitätsstufe in der Verlosung. Drei Bierchen später ist der Laden schon gut gefüllt und die Supportbands haben ausgespielt.
Vor dem Liveauftritt gibt’s erst mal noch was aus der Konserve: Die Video-Premiere von „Better Than Yours“ auf einer Großleinwand vor der Bühne. Nachdem diese beendet ist folgt praktisch nahtlos der Liveauftritt der Band, die sich bereits hinter der Leinwand an die Instrumente begeben hat. Im stampfenden Rhythmus gibt es von den vier Hamburgern gleich zünftig auf die Ohren. Eine besondere wie seltene Stärke der Band tritt dabei gleich deutlich hervor. Der durchaus lautstarke Sound, den die drei Jungs an ihren Instrumenten erzeugen, hält Sängerin Fleur nicht annähernd davon ab, ihre Stimme beeindruckend zur Geltung zu bringen. Während viele Rockbands mit Sängerin Gefahr laufen, eben diese buchstäblich an die Wand zu spielen, oder sich auf einen luschigen Softrock-Kompromiss reduzieren um genau das zu verhindern, tritt dies bei Compulsive Gambling nicht auf. Das soll jedoch keinesfalls bedeuten, dass die Musik zu einem stumpf-aggressiven Einheitsbrei verkommt. Im zweiten Stück mit dem launigen Titel „I want to hate you“ sorgt ein Elektro-Intro für musikalische Abwechslung, das dritte Stück „Last Time“ zeigt sich anfangs melodiös-baladig, bevor es jedoch jeweils wieder ordentlich auf die Glocke gibt. Die Band ist erkennbar stolz wie Oskar über den gut gefüllten Laden und wird nicht müde, sich bei Freunden, Verwandten, Mithelfern und dem Weihnachtsmann zu bedanken. Obwohl so ein Debütalbum einer noch jungen und unbekannten Band natürlich das Laster mit sich schleppt, dass das Publikum eher steht und staunt, statt zu tanzen und mitzusingen. Die Stimmung ist dennoch prächtig. Die Gambler geben kräftig Gas und es ist ziemlich gut zu hören, dass jedes der Bandmitglieder sein Instrument sehr gut beherrscht, der ein oder andere Verspieler sei mal der Nervosität zugeschrieben.
Trotzdem ist nicht ganz alles Gold, was glänzt. Einige Muster wiederholen sich, das gilt zum einen für den Aufbau der Stücke, zum anderen auch für die Thematik der Texte. Der bereits beschriebene E-Athmo-Einstieg mit darauf folgendem härter rockendem Mittelteil, taucht im Laufe des Abends dann doch des Öfteren auf und kommt einem dann auch irgendwann etwas zu bekannt vor. Und wer sich die Mühe macht etwas auf den Text zu hören, wird nicht drum herum kommen zu bemerken, dass gefühlte 85% der Lieder von Trennung und /oder Liebeskummer handeln. Ein absolutes Highlight stellt aber „Better than yours“ dar. Dieses Lied kommt sehr viel optimistischer und rhythmischer daher als die meisten anderen Stücke und bringt zudem das Kunststück fertig, trotzdem richtig fett zu rocken. Insgesamt muss man sagen, dass die Bezeichnung Alternative Rock eigentlich eine Untertreibung ist. Im Schnitt gibt es von den Hamburgern sehr heftiger auf die Ohren, als man es von herkömmlichen Alternative Rockern gewohnt ist.
Also nicht alles Gold, aber einige Perlen sind in jedem Fall dabei. Wäre ja auch traurig, wenn eine so junge Band keine Luft nach oben hätte. Nach dem Konzert fühlt man sich in jedem Fall bestens unterhalten und kommt nicht umhin zu vermuten, dass Compulsive Gambling zukünftig durchaus in der Lage zu größeren Taten sein könnte. Fett auf die Ohren, richtig gute Musiker und eine Frontfrau mit spektakulärer Stimme: Ein Konzertbesuch bei Compulsive Gambling lohnt sich für jeden, der an hoffnungsvollen Newcomern interessiert ist. Etwas Geduld wird hierfür aber nötig sein, schließlich stecken die Gambler in Sachen Tour noch in der Planungsphase.





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