Review: Planlos – Planlos (…ziehen den Stecker)
Planlos. Das war ich auch vor einigen Wochen, als mir ein Freund diese Band mit den Worten “einen Faible für Die Toten Hosen solltest du schon haben, aber Planlos sind echt sehr viel besser” ans Herz legte. Und als ich dann hörte, dass sich die Band auch noch Ende letzten Jahres aufgelöst hatte, war ich eigentlich gar nicht mal so wirklich interessiert an diesem Album. Da hatte ich natürlich noch keine Ahnung, dass mich hier der Querschnitt einer 17-jährigen Bandgeschichte erwartet, der durchaus an mehreren Ecken mit Hits aufwarten kann.
Wer sich dazu entschließt, diese CD im Laden zu erstehen, bekommt ein schönes Digipack vorgesetzt, das eine CD mit 7 “neuen” Songs und eine weitere CD mit 17 “Best-Of”-Songs aus allen Schaffensperioden der Band enthält. Und das schönste daran: Es macht vom Fleck weg Spaß zuzuhören. Vokuhila ist ein schöner Deutschpunksong, der so auch von z.B. The Bottrops hätte veröffentlicht werden können. Lustiger Text (“… wer glaubt, dass die Xbox scheiße ist, weiß nicht was Atari ist …”) und eine nette Melodie, so soll es sein. Es folgt Pogo mit mir selbst, dass einem sofort ins Ohr geht und bekannt vorkommt. Zweimal nachgedacht, woher man das denn wohl kennt und dabei letztlich bei Generation X und Billy Idol angekommen. Ein Cover also, aber heidewitzka, was für eins. Großer Sport. Genau so muss der Einstieg in ein Album sein.
Dass bei der Menge von insgesamt 24 Liedern nicht alles zünden würde, zeigt sich dann bereits bei den weiteren Liedern der ersten CD. Herz-Schmerz-Trennungskram, bißchen Schmalz und Pathos und auch einfach mal ein bißchen dämlich: Geradeaus nervt dabei vor allem durch die gesprochenen Strophen. Für Dich ist der obligatorische Track über eine gescheiterte Beziehung. Auf CD 2 stellt Herzlos sterben da übrigens die sehr viel gelungenere Abrechnung mit der Exfreundinnen-Thematik dar. Naja, so viel zu den Tiefschlägen der ersten CD. Mit Flaschenbier hauen die planlosen dann zum Abschluss noch einen richtig grenzdebilen Schwachsinns-Saufsong raus, den solch eine Band vermutlich auch einfach mal haben muss. Der geneigte Hörer platziert diesen in der heimischen Playlist vermutlich am besten in der der Nähe von J.B.O., Onkel Tom, den Kassierern, Normahl oder ähnlichen Kalibern. Da fällt er nicht weiter auf. Das Stück wird halt erst nach mehreren Bieren erträglich und ist dann womöglich sogar recht lustig. Konnte das aber im Selbsttest bis jetzt noch nicht endgültig klären.
Kommen wir also zur zweiten CD. Die soll ja als Best-of schließlich Hit auf Hit enthalten. Tut sie nicht, aber es ist schon teilweise beeindruckend, was man da zu hören bekommt. Mit Chaos, Tanzende Engel und Goldene Zeiten wird auch diese CD zumindest wieder mit wunderbaren Krachersongs eröffnet und spätestens jetzt sollte man die Band mögen können. Und man darf anfangen, sich tierisch darüber zu ärgern, dass dieser Umstand nun erst eintritt, wo es die Band nicht mehr gibt. Super Timing. Mal wieder.
Statt weiter rumzuheulen, hat man lieber Spaß mit Music is my Girlfriend oder dem herrlichen Gruß aus Ibiza (war wohl die erste Auskopplung überhaupt). Wer’s auch mal ruhiger und tiefgründiger mag, der möge sich an das balladeske 1000 Scherben halten. Das ist mal einer der ruhigeren Songs, der wirklich gut funktioniert. Mehrere weitere der “sanften” Lieder habe ich für mich als Schwachstellen des Albums ausgemacht ( die bereits erwähnten Für Dich, Geradeaus oder auch Immer weiter oder Der Brief), obwohl die Texte bei diesen Liedern hin und wieder sogar wirklich sehr gelungen sind.
Es kann aber halt nun mal auch echt nicht alles gut sein bei insgesamt 24 Liedern. Da wäre z.B. noch Blut, das gerade im Refrain ziemlich nervig daherkommt oder das viel zu dick aufgetragene Wenn es regnet (…”Denn sie weiß, wenn es regnet, dann ist sie nicht allein! Denn es heißt, wenn es regnet, dass irgendwo ein Engel weint …”). Da muss man dann als Zuhörer auch einfach mal stark sein und sich durchbeißen. Es kommt nämlich am Ende doch noch was:
Glanz & Gloria überzeugt mit treibenden Drums, schnellen Gitarren und setzt ein wirklich starkes Ausrufezeichen für das Ende dieses Albums – und der Karriere von Planlos.
Highlights:
- Ziemliche Hitdichte
Lowlights:
- Hin und wieder zu dick aufgetragen
- Die Kombo hat sich letztes Jahr aufgelöst
Service (Youtube-Videos):
Chaos, Goldene Zeiten, Vokuhila, Glanz & Gloria
Fazit:
Knapp vorbei am richtig geilen Album, weil bei den 24 Liedern dann doch einige dabei sind, die mir nicht gefallen. Aber insgesamt sollte hier für jeden, der etwas für deutschen Punkrock übrig hat, etwas dabei sein. Alles andere würde mich doch wirklich sehr wundern. Also ruhig mal rein hören, liebe Leute, denn ja, es ist schon recht gut, was da so Planlos über die Jahre zusammengeklöppelt wurde.







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Ich verfolge Planlos schon etwas länger und finde es auch sehr schade, dass sie sich aufgelöst haben, höre ich sie doch immer wieder gern. Zwar waren die früheren Alben deutlich besser als das, was zum Ende hin kam, aber gut hörbar war es eigentlich immer. Ein paar Songs vermisse ich auf dem Best Of und würde ich wohl austauschen wollen, aber insgesamt ist das schon sehr ordentlich. Wer weiter eintauchen möchte, dem würde ich das Album “Verraten und verkauft” ans Herz legen wollen, das war für mich immer das stärkste. Aber auch die anderen sind hörenswert!
Hey Konna,
besten Dank für den Tipp. Ich werde in das “Verraten und verkauft” mal reinhören.
Finde dieses Best-Of-Album auch recht gelungen, habe Planlos schon vor ihrer Auflösung gehört und mir persönlich gefällt die Songauswahl auf der Best-Of-CD wirklich gut!
Vor allem, dass mein Lieblingslied “Chaos” gleich der erste Track auf der CD ist finde ich sehr geil!